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Bergen Ortsteile Ein Mörder referiert in Bleckmar
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Ein Mörder referiert in Bleckmar
17:46 11.04.2016
Quelle: Udo Genth
Bleckmar

Dabei war das durchaus die Wahrheit, denn der Vortragende hatte vor vielen Jahren nicht nur eine der größten Autoschieber-Gangs aufgebaut, sondern auch eines der Mitglieder erschossen.

Torsten Hartung legte im Rahmen des 18. Vortragstreffens des Gesprächsforums Celler Land eine Lebensbeichte ab. Er wuchs in einer „atheistischen, gewalttätigen Familie“, wie er sein Elternhaus charakterisierte, auf. Schon als kleines Kind wurde er aus nichtigen Anlässen gnadenlos verprügelt. „Bis zum zehnten Lebensjahr war ich Opfer“, sagt Hartung heute. Dann schwor er sich, von nun an nicht mehr Opfer, sondern Täter zu sein. So wurde er bald ein stadtbekannter Schläger, kam mit 18 Jahren zum ersten Mal ins Gefängnis. Wenige Jahre später bildete er eine Autoschieber-Organisation und hielt Kontakte zur Russen-Mafia. Einige Zeit nach der Tötung eines seiner Kumpanen wurde er festgenommen. In Einzelhaft gehalten, begann er, Tagebuch zu schreiben. „Wer bin ich?“ war die beherrschende Frage, der Hartung in inneren Monologen nachging. Er sah nach und nach seine Schuld ein und erkannte gleichermaßen die Schuld seiner Eltern.

Nach fünf Jahre betete er zum ersten Mal. Der Gefangene bat Gott, „wenn es denn einen gibt“, um ein neues Leben. Heute noch erinnert er sich, wie eine Stimme klar und deutlich zu ihm sagte: „Ich weiß“. Dadurch bekam der Betende die Gewissheit, dass es Gott gibt. Der reumütige Mörder entwickelte ein neues Weltbild. In der Bibel las er, dass Gott vergibt. Daraufhin ließ sich Hartmann noch in der Gefängniskapelle – er war inzwischen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden – taufen. Nach der Haftentlassung begann er ein neues Leben und wurde ehrenamtlicher Helfer, der jugendliche Straftäter auf den rechten Weg zurück begleitete. Seit vier Jahren ist Torsten Hartmann in der Migranten-Arbeit tätig. Seine Erfahrungen fasste der ehemalige Schwer-Kriminelle in dem Satz zusammen: „Gott ist ein toller Vater.“

Seine Wandlung, die Torsten Hartmann in einem gut 45-minütigem Vortrag in fast druckreifer Prosa darlegte, hinterließ einen tiefen Eindruck. Dass der Schlussbeifall nur sehr zögernd dargebracht wurde, kann als ein Indiz für die Ergriffenheit der Zuhörer angesehen werden.

Von Udo Genth