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Bergen Ortsteile Everser Liekenwoagen bekommt eine Schüün
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Everser Liekenwoagen bekommt eine Schüün
18:56 22.11.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Quelle: Fremdfotos / Eingesandt
Eversen

Es war die Zeit, als der Leichnam eines Verstorbenen noch im Wohnzimmer aufgebahrt und später in einem Leichenwagen von einer Prozession zum Friedhof begleitet wurde. Auch Eversen legte sich einen solchen Wagen Anfang der 30er Jahre zu, der fast ein Vierteljahrhundert später ausgedient hatte. Der Liekenwoagen wurde in einen modrigen Schuppen an den Ortsrand verbannt und geriet in Vergessenheit. Erst zur Jahrtausendwende fand er wieder in das Gedächtnis der Bürger, kam aus der von Schädlingen befallenen Scheune heraus und wurde saniert. "Doch dann standen wir mit unserem schönen, historisch restaurierten Leichenwagen da und hatten keine Scheune", sagt Ortsbürgermeister Gerd Friedrich. Dieser Zustand dürfte sich bald ändern. In der letzten Ortsratssitzung wurde empfohlen, eine neue Liekenwoagenschüün zu bauen.

Die Scheune soll direkt in der Ortsmitte entstehen, für die Bewohner und Touristen gut sichtbar. "Das Gebäude soll ausgemauert und im Fachwerk-Stil gehalten sein", erzählt Friedrich von den momentanen Bau-Überlegungen. Drei Fenster an einer Seite der Scheune sollen zu jeder Zeit einen Blick auf den Leichenwagen sowie eine Informationstafel ermöglichen. "Mit dem Grundstücksbesitzer haben wir auch schon einen Pachtvertrag auf 30 Jahre geschlossen – zinsfrei", freut sich Friedrich.

Und auch die Frage der Finanzierung – für den Neubau sind 95.000 Euro veranschlagt – wurde bereits geklärt. Mit Leader-Mitteln in Höhe von fast 62.000 Euro werden bereits 65 Prozent der Kosten getragen. Die Stadt Bergen wird die restlichen 30.000 Euro aufbringen, Ortsrat und Everser Förderverein steuern 3500 Euro bei.

Derzeit ist der Wagen noch privat untergebracht. "Deshalb eilt es auch, dass wir eine Scheune bauen", so Friedrich. Der Bau ist für kommendes Frühjahr vorgesehen, wenn alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind und die Stadt Bergen die Ausschreibung veranlasst hat. "Wir hoffen zum Heidjerfest im kommenden Jahr fertig zu sein", sagt Friedrich.

Der Termin ist nicht ganz zufällig gewählt. 2015 hatten sechs Ehrenamtliche, darunter Friedrich, das Everser Fest genutzt, um ihren sanierten Liekenwoagen zu präsentieren. Dieser hatte nach dem Bau der Friedhofskapelle und der Erfindung von Kühlboxen für den Leichnam Mitte der 60er Jahre ausgedient. Erst über 25 Jahre später fasste Friedrich den Entschluss, "das gute Stück" nicht länger ungenutzt in einem Schuppen stehen zu lassen. Stattdessen bot er es mehreren Museen an. Ohne Erfolg. Alle lehnten aus Platzmangel ab. "Also haben wir gesagt, dass wir uns eben darum kümmern müssen", sagt Friedrich.

Die neue Liekenwoagenschüün soll in die Rad- und Wanderwegs-Route als neue Station integriert werden, und zudem sollen geführte Besichtigungen angeboten werden. Friedrich erklärt: "So ein Stück Zeit- und Kulturgeschichte muss schließlich erhalten werden."