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Bergen Ortsteile Florian Hemme aus Winsen will Glauben verständlich näherbringen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Florian Hemme aus Winsen will Glauben verständlich näherbringen
19:15 07.06.2016
Von Christopher Menge
Sülze

SÜLZE. Dass er auch an ungewöhnlichen Orten die richtigen Worte findet, hatte Hemme während seines Vikariats allerdings schon bewiesen – zum Beispiel beim Heidjerfest. „Die Texte müssen zur Situation passen, um den Leuten etwas mitgeben zu können“, sagt der 30-Jährige, der 2005 am Hermann-Billung-Gymnasium in Celle sein Abitur ablegte und damals Interesse an der Theologie fand. Reformator Martin Luther inspirierte Hemme während des Religionsunterrichtes. „Er hat die Messen auf Deutsch gehalten, damit ihn die Leute verstehen“, sagt Hemme, „auch mein Anliegen ist es, wie die Menschen von heute zu sprechen.“

Wenn man die Zuhörer erreichen wolle, müsse man handwerklich gut sein, um den schweren Inhalt rüberzubringen. „Insbesondere in Grenzsituationen muss man Worte finden, die anderen in dem Moment fehlen“, sagt Hemme mit Blick auf Trauerfeiern und die Notfallseelsorge. Er selbst hat solche Grenzsituationen schon als Betroffener auf traurige Weise erlebt. Innerhalb nicht mal eines Jahres starben 2010 und 2011 seine Eltern Wilfried und Angelika. Im Februar dieses Jahres verloren er und seine Frau Jenny, die im Mai 2015 Hochzeit gefeiert hatten, ihre gemeinsame Tochter Lea Noemi.

Ein Grund, am Gottesbild zu zweifeln, waren dieses tragischen Schicksalsschläge für Hemme aber nicht. „Der Glaube deckt ja die gesamte Bandbreite ab“, sagt Hemme und verweist auf die Klagepsalme in der Bibel. Gott habe ihm geholfen, dass er nicht vollkommen aus der Bahn geworfen worden sei. „Viele aus der Gemeinde Sülze haben uns außerdem unterstützt und für uns gebetet“, sagt Hemme, „ich bin froh, dass ich da gelandet bin.“

Seine moderne Art kommt bei seinen „Schäfchen“ offensichtlich an. „Ziel darf es doch nicht sein, den christlichen Glauben sonntags von 10 bis 11 Uhr möglichst langweilig und unverständlich zu verkündigen“, sagt der angehende Pastor, der auch Vorsitzender des Sportvereins MTV Fichte Winsen ist. Dort unterrichtet er einmal pro Woche die israelische Selbstverteidigungsart „Krav Maga“. Aufgrund des großen Interesses – derzeit stehen 40 Leute auf der Warteliste – will er regelmäßig Seminare zur Selbstverteidigung anbieten.

2011 hatte sich Hemme CDU-intern auch schon mal für die Bürgermeister-Kandidatur in Winsen beworben, war aber knapp gescheitert. „Das habe ich aus Gottes Hand so angenommen und mein Studium fortgesetzt“, erinnert sich Hemme, der zum 1. Februar Sülze verlassen wird. Dann wird er als Pastor in einer anderen Gemeinde eingesetzt. Hemme selbst würde gerne auf dem Land bleiben. „Ich gehöre hier in die Region“, sagt er.