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Bergen Ortsteile Hans-Jürgen Buhr fährt gern im Willys Jeep
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Hans-Jürgen Buhr fährt gern im Willys Jeep
12:25 27.02.2015
Von Karin Dröse
Hans-Jürgen Buhr, Sülze, Willys Jeep, Baujahr 1944 Quelle: Karin Dröse
Sülze

Die Tatsache, dass der Willys Jeep weder Sicherheitsgurte noch Überrollbügel hat, waren ausschlaggebend dafür, dass Hans-Jürgen Buhr sein Traumfahrzeug kaufen konnte. Der Vorbesitzer des Fahrzeuges lernte eine Frau mit zwei Kindern kennen, und die störte es, dass die Sicherheitsausstattung des Oldtimers mangelhaft war.

Das Fahrzeug wechselte den Besitzer, und seitdem greift Kfz-Mechanikermeister Hans-Jürgen Buhr persönlich zum Werkzeug, wenn es etwas zu reparieren gibt. Die Technik ist einfach, überschaubar und robust. Das Lenkrad aus Metall gibt über sichtbare Stangen die Lenkbewegungen an die dicken Räder weiter, ohne Lenkkraftverstärker – versteht sich. Und wenn Hans-Jürgen Buhr bei einer Rundfahrt durch Sülze den nächsthöheren Gang einlegen will, muss er Zwischengas geben. Herausforderungen, denen er sich gerne stellt, denn das Fahrvergnügen schätzen er und seine Partnerin Karin Heidkamp, die Inhaberin eines Teegeschäftes ist und mit Technik wenig am Hut hat, sehr.

„Der Willys Jeep bietet Cabriovergnügen pur“, schwärmt der Oldtimerfan. Man spürt den Fahrwind, riecht den Duft von Wald und Wiesen und genießt den Sonnenschein, denn das Verdeck lässt sich leicht abnehmen. Unterwegs geht es langsam voran, denn mehr als 60 oder 70 Stundenkilometer fährt der Oldtimer nicht. „Beim Überholtwerden fühlt man hautnah den Fahrtwind des vorbeiziehenden Fahrzeuges.“ Bis nach Hamburg zur Oldtimerausstellung ist Buhr mit seinem Oldtimer schon gefahren, auf Landstraßen und bei Regen. „Das Verdeck hat dicht gehalten“, sagt er, und es klingt ein wenig stolz, denn man vermutet beim Anblick des Materials eher das Gegenteil. Wie viel Benzin der 53-PS-Motor des Oldtimers auf 100 Kilometer schluckt, weiß sein Besitzer nicht. Er zuckt mit den Schultern und lacht: „Er wird schon ein wenig mehr brauchen. Aber das macht nichts. Andere gehen ins Fußballstadion und das kostet auch Geld.“

Der Tankdeckel befindet sich gut getarnt mit einem Sitzkissen unter dem Fahrersitz. Eine Tankanzeige hat das Fahrzeug nicht. Wenn der Fahrer wissen will, wie voll der Tank noch ist, schraubt er den Deckel ab und schaut nach. Vorsichtshalber ist am Heck ein großer Reservekanister befestigt.

Das Armaturenbrett ist übersichtlich, und die Halterung für das Gewehr erinnert an den ursprünglichen Verwendungszweck des Fahrzeuges: „Es stammt von der amerikanischen Armee und wurde bei der Landung in der Normandie im Zweiten Weltkrieg eingesetzt“, erzählt Buhr. Er will gar nicht so genau wissen, was das Fahrzeug damals mitmachen musste. Heute wird es geschont und bei Oldtimerausstellungen gezeigt, wie beispielsweise am Sonntag, 10. Mai, beim Oldtimertreffen in Hermannsburg. Der olivgrüne Lack wird poliert, und Fahrzeug und Besitzer strahlen um die Wette, wenn die Besucher das Schmuckstück bestaunen. Technische Details wie abnehmbare Lampen, die als Suchscheinwerfer eingesetzt werden können, Axt und Schaufel, die an der Fahrzeugseite befestigt sind, oder die Verdunklungsschaltung für das Fahrzeuglicht zur Tarnung erinnern noch an den ursprünglichen Einsatz.

Sogar einen passenden Anhänger, Baujahr 1943, hat Buhr für seinen Oldtimer. Der kann mit dem Alltagsfahrzeug der Familie gezogen werden. Karin Heidkamp nutzt ihn gern, wenn sie zu Verkaufsveranstaltungen fährt. Wie wichtig Hans-Jürgen Buhr sein Fahrzeug ist, zeigt sich auch daran, dass er dem Jeep zum 70. Geburtstag eine Feier ausgerichtet hat. „Da wurde das monatliche Vereinstreffen bei uns zu Hause veranstaltet. Wir haben gegrillt und mit Bier zünftig auf das Wohl des Oldies angestoßen“, sagt er.

Von seiner Liebe zu Oldtimern und der gut ausgestatteten Werkstatt profitieren Andere. Gerade restauriert er ein IFA-Motorrad, Baujahr 1956. Der Scheunenfund sieht entsprechend aus. Jetzt ist er in Einzelteile zerlegt und wartet darauf, dass der Besitzer Ausfahrten machen und das Fahrzeug bei Oldtimerausstellungen zeigen kann.

Karin Dröse