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Bergen Ortsteile In Eversen verwurzelt
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile In Eversen verwurzelt
21:13 10.09.2017
Von Christoph Zimmer
Nach dem Frühstück mit der Familie nimmt sich Henning Otte auf der Terrasse des alten Bauernhauses in Eversen gerne etwas Zeit für sich. Quelle: Christoph Zimmer
Eversen

Er muss nur reingehen, nicht weit, drei Meter vielleicht, dann kribbelt es unter den Fußsohlen, danach an Waden und Oberschenkeln. Schließlich kriecht die Kälte, diese Armee von hundert Ameisen, über die Brust hoch bis zum Kinn. „Das ist der schönste Moment“, sagt Henning Otte. Der ganze Körper wie schockgefrostet. Eis in den Adern, der Kopf leer, kein Schmerz, kein Gedanke. Und doch ist es schnell vorbei. Dann wird der amtierende CDU-Bundestagsabgeordnete herausgerissen aus der Halbnarkose, aus dem kalten Wasser der Örtze, die ihr Glück für Minuten verschenkt nach der morgendlichen Laufeinheit.

Wenn sich der 44 Jahre alte Otte im anstrengenden Wahlkampf einmal Zeit fürs Laufen an der Örtze nimmt, die nur ein paar Meter hinter seinem Haus in Eversen fließt, kann es vorkommen, dass er sich in das Wasser stürzt. „Das ist wunderbar, wenn man von der Politik abschalten und den Kopf frei kriegen möchte“, sagt er, der am kommenden Sonntag für seine dritte Legislaturperiode im Bundestagswahlkampf kandidiert.

Viel Zeit hatte er in den letzten Wochen nicht dafür. Das gilt auch für seine Familie und seine Hobbys, die Otte in dem strikten und vollen Zeitplan, der im Moment sein Leben bestimmt, irgendwie unterbringen muss. Aber an diesem sonnigen Nachmittag im September gönnt sich Otte in Eversen eine kurze Auszeit. Auf dem idyllisch gelegenen Hof der Familie schaltet er ab, lässt die große Politik an der Gartenpforte hinter sich zurück. Es gibt Kaffee und selbst gemachten Apfelkuchen. „So viel Zeit hatte ich sonst nicht in den letzten Wochen“, sagt er, „aber für die Familie muss man immer Nischen finden.“

Seine vier Kinder Benedikt, Theresa, Konstantin und Amalia spielen Fußball im Garten, als Otte über Politik spricht. In jeder freien Minute gilt ihnen und seiner Frau Anna Maria Cornils seine ganze Aufmerksamkeit. Das gemeinsame Frühstück mit der Familie ist wichtiger als die morgendliche Laufeinheit. „Es ist ein großes Glück, das wir hier haben“, sagt er.

Die Familie Otte ist in Eversen fest verwurzelt. Seit 14 Generationen lebt sie auf dem Hof in der Dorfstraße, der bereits 1553 gebaut wurde. Den Eltern gehörte das Gasthaus Zum Dorfkrug, das nun von Ottes Bruder Manfred und Schwägerin Sylvia betrieben wird. Weil sein Vater früh starb, musste Otte schon in jungen Jahren mit anpacken. Das habe sein Grundverständnis für Selbstständigkeit geprägt, sagt er. „Außerdem weiß ich, was es heißt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.“ Gemeinsam mit seiner Mutter Herta leben gegenwärtig drei Generationen auf dem Hof der Familie. „Dadurch entwickelt man ein besseres Verständnis für den Ausgleich von Interessen.“ Umgeben von bäuerlichen Betrieben, kennt Otte auch die Sorgen der Landwirte in der Region, für deren Interessen er sich stark macht.

Wenn es die Zeit erlaubt, geht der passionierte Jäger in die Natur. Auf dem Hochsitz lässt er die großen Fragen der Politik große Fragen der Politik sein. „Es ist dort herrlich still“, sagt er, „ich liebe die Heide.“ Wenn er nach einer harten Woche in Berlin in Eversen ankommt, sieht er den Himmel und die Sterne. „Hier auf dem Land ist die Luft ganz anders.“

Henning Otte ist 1968 in Celle geboren und in Eversen aufgewachsen. Nach seinem Abitur am Christian-Gymnasium in Hermannsburg absolvierte er eine Ausbildung zum Reserveoffizier im Panzerbatallion 333 in Celle. Danach machte er bei der Sparkasse Celle eine Lehre zum Bankkaufmann, wo er anschließend als Angestellter beschäftigt war. An der Universität Hamburg studierte Otte Jura und arbeitete nach dem erfolgreichen Abschluss als Prokurist in einem Stahlbauunternehmen.

Einmal im Jahr besucht Otte ein Konzert der deutschen Skaband The Husters, die sich als Freizeitprojekt gegründet hatte und inzwischen internationalen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Außerdem hört der Christdemokrat gern Bruce Springsteen und Andreas Gabalier („I sing a Liad für di“). Der österreichische Schlagersänger, der der oft tot gesagten Volksmusik einen neuen Hüftschwung verliehen hat, spielt gern mit seinem Image als Herzensbrecher und begeistert Fans mit einer erfrischenden Kombination aus Rock und Volksmusik. „Das ist ein cooler Typ“, findet Otte.

In Berlin fehlt die Zeit zum Laufen. Dafür entspannt sich Otte im Trikot des FC Bundestag, der Fußballmannschaft, die sich aus aktuellen und ehemaligen Mitgliedern und Angestellten des Deutschen Bundestags zusammensetzt

Neben den Partien gegen andere Parlamentsauswahlen tritt das Ensemble zugunsten karitativer Zwecke gegen verschiedene Hobbymannschaften an. Voraussetzung für die Spieler der gegnerischen Mannschaft ist ein Mindestalter von 35 Jahren, weshalb es sich beim FC Bundestag um eine Altherrenmannschaft handelt.

Auch nach dem Wahlsonntag will Otte für den FC Bundestag auflaufen. Als aktiver Abgeordneter.

Was den Bundestagsabgeordneten Henning Otte in seinem Innersten antreibt, ist seine Verbundenheit zur und Verwurzelung in der Region. „Ich will unsere Heimat gestalten und weiter entwickeln“, erklärt der Everser sein politisches Grundmotiv.

Dazu gehört für ihn vor allem die Fertigstellung der Ortsumgehung. „Die Menschen warten sehnsüchtig auf die Eröffnung“, sagt Otte. Er fordert die Kläger daher auf, ihre „Klage sofort zurückzuziehen“. Der gegenwärtige Zustand auf der B 214 sei für Anwohner und Autofahrer „nicht länger hinnehmbar“. Das gelte auch für Celle als attraktiven Wirtschaftsstandort, den Otte „weiter ausbauen und weiter entwickeln“ will: „Dafür brauchen wir eine gute Infrastruktur.“ Auch für die Familien sei die schnelle Öffnung „ein wichtiges Thema“.

Mit der Ortsumgehung, aber auch mit der Fertigstellung anderer Infrastrukturprojekte wie der Autobahn A 39 und der B 191, will Otte der demografischen Entwicklung entgegenwirken. „Für die Menschen, aber auch für die Unternehmen in der Region müssen wir gute Standortbedingungen schaffen“, betont er.

In dieser Legislaturperiode sei ihm das durch seine Bemühungen um den Erhalt der drei Bundeswehrstandorte in Bergen, Faßberg und Wietzenbruch sowie mit dem Ausbau des einstigen Raketenforschungszentrums in Trauen mit Millioneninvestitionen gelungen. „Das wird auch für die eher strukturschwache Region einen enormen wirtschaftlichen Auftrieb mit sich bringen“, ist sich Otte, der Mitglied im Parlamentskreis für Luft- und Raumfahrt und stellvertretender Vorsitzender für Sicherheitspolitik sowie stellvertretender verteidigungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von CDU/CSU ist, sicher. Auch in der kommenden Legislaturperiode will er sich in diesen Bereichen für die weitere Entwicklung von Hightech in der Heide und der Wirtschaftsstandorte einsetzen.

Der Sprecher der des Gesprächskreises Jagd, Fischerei und Natur seiner Fraktion macht sich auch für Celle als Tourismusregion stark. „Die Heide soll nicht nur für die Menschen, die hier leben, sondern auch für Gäste attraktiv sein“, sagt er.

Otte sitzt seit 1996 im Kreistag sowie im Berger Stadtrat. Seit 2001 ist er stellvertretender Landrat des Landkreises Celle. 2005 wurde der 44 Jahre alte Christdemokrat in den Bundestag gewählt. Er ist stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und Petitionsausschuss, im Ausschuss für Abrüstung und Rüstungskontrolle sowie stellvertretender Präsident der Deutschen Wehrtechnischen Gesellschaft. In die kommende Bundestagswahl geht er auf Platz zwölf der Landesliste der niedersächsischen Christdemokraten, der 2009 nicht gereicht hätte.