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Bergen Ortsteile In Hünenburg findet man keine Burg, aber Motorräder und Gänse
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile In Hünenburg findet man keine Burg, aber Motorräder und Gänse
18:44 25.07.2018
Von Christopher Menge
Quelle: Christopher Menge
Hühnenburg

Dabei ist der kleine Ort mit seinen 23 Häusern in der Motorradszene europaweit bekannt. "An eine solche Dimension haben wir nicht gedacht, als wir 1976 angefangen haben", erzählt Sigrid Hohls, die den Motor-Service heute mit ihrem Mann Wilhelm und ihrer Tochter Kirsten führt. "Wir importieren Motorräder aus den USA, die es hier sonst nicht gibt", erzählt Kirsten Hohls, die für drei Jahre mal in Eversen lebte. "Aber, wenn man in so einem Nest geboren ist, ist alles, was größer und lauter ist, nicht gut."

Die Ruhe ist es auch, die Gabriele Jäger schätzt, die vor zehn Jahren von Winsen nach Hünenburg gezogen ist. Ihre beiden Pferde sind an diesem Morgen allerdings nicht da – sie machen Urlaub in der Nähe von Nienburg.

Aus der Stadt an der Weser kommt auch eine Frau, die derzeit bei Waltraud Schröder eine Ferienwohnung gemietet hat. Sie arbeitet wie viele ihrer anderen Mieter aus Polen und Tschechien bei KWS Lochow in Wohlde. "Ich hatte auch schon einen Studenten aus Indien, ein Mieter kam aus Argentinien", erzählt die 79-Jährige, die in Hünenburg geboren wurde, 18 Jahre lang aber in Eversen lebte. "Die Freundschaft ist in Eversen geblieben", sagt die Seniorin, deren große Leidenschaft Tiere sind. Aufgrund der großen Hitze holt sie die 22 Jahre alte Stute Ivenia gestern Vormittag in den Stall. Da sind auch weniger Fliegen.

Auf der anderen Seite der Straße hat Bernd Höltershinken seine Gänse und Enten dagegen gerade rausgebracht. Nur die 18 Küken, die am Vortag geschlüpft sind, müssen noch im Stall bleiben. "Die Flugenten sind verschieden alt und vertragen sich nicht", erklärt der 68-Jährige, warum die Enten nacheinander in zwei getrennte Bereiche watscheln.

Mit seiner Frau Dörte ist er vor dreieinhalb Jahren nach Hünenburg gezogen. "Wir genießen die Ruhe hier und freuen uns, dass man hier Tiere halten kann, ohne Ärger mit den Nachbarn zu bekommen", sagt der ehemalige Waller Landwirt. "Mitten im Dorf ist nicht so unser Ding."

Mitten in Hünenburg wohnt Familie Dehning – und das seit 1923. "Meine Tante Erna war das erste Mädchen, das in Hünenburg geboren wurde", erzählt Willi Dehning, während sich seine Frau Sieglinde um den Enkelsohn Joshua Heinrich kümmert. "Oma und Opa passen auf den Lütschen auf", sagt sie. Das Tolle an Hünenburg sei, dass man sich auf die Nachbarn verlassen könne und einer auf den anderen gucke. "Bei den Altbürgern klappt das gut, mit manchen Rucksack-Hünenburger kann man dagegen keine gerade Furche pflügen", wirft Willi Dehning ein.

Gestritten wird aber nicht in Hünenburg – anders als im Jahr 945. Nach Ludwig Harms kam es hier zu einer Schlacht zwischen heidnischen Wenden und den kaiserlichen Truppen. Da die Heiden Hünen genannt wurden, heißt der Ort heute Hünenburg – Hinweise auf eine Burg hat bisher aber keiner gefunden. (me)