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Bergen Ortsteile In der rollenden Huf-Schmiedewerkstatt
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile In der rollenden Huf-Schmiedewerkstatt
14:52 26.12.2011
Rolf Zimmermann bringt das im Ofen seiner rollenden Werkstatt erhitzte Eisen in Form. Quelle: Udo Genth
Sülze

SÜLZE. Rolf Zimmermann ist von der Statur her genau das, was man in Bayern wohl ein „g´standenes Mannsbild“ nennen würde. Er ist von Beruf Schmied und übt damit einen Beruf aus, der eine lange Tradition hat.

„Das Schmieden ist eine der ältesten Handwerke der Menschheit“, heißt es in der Brockhaus Enzyklopädie, andere Nachschlagewerke setzen die Herausbildung dieser Arbeit mit dem Beginn der Eisenzeit vor rund 2800 Jahren an. Bald habe sich der Hufbeschlag als eine Spezialform des Schmiedehandwerks abgespalten, heißt es weiter.

Rolf Zimmermann ist ein solcher Hufschmied. Er hat 1982 die Schmiedelehre begonnen und sieben Jahre später die Meisterprüfung abgelegt. Sein Meisterstück, ein Kamingitter, zeigt er heute mit Stolz. Dennoch hat er sich spezialisiert und besitzt nun eine rollende Werkstatt, ganz wie die Hufschmiede in alten Zeiten.

Von Sülze aus, dort wohnt er seit 1985, fährt er mit seinem Ford Transit zu den Kunden. „Mein Einsatzradius ist so um die 60 Kilometer“, sagt er. Der Aufschwung des Pferdesports in Form der Hobby- und Freizeitreiterei in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten erschuf ihm eine solide Arbeitsgrundlage. Weil sich diese Art der Reiterei vorzugsweise in Vereinen abspielt, werden die Pferde nicht wie in früheren Zeiten zur Schmiedewerkstatt gebracht. Vielmehr ist es genau andersherum. Zimmermann fährt raus und legt vor Ort Hand an die Hufe.

„Ich habe meinen Wagen, der schon handelsüblich als Werkstattwagen angeboten wird, nach meinen eigenen Bedürfnissen ausgebaut“, sagt Rolf Zimmermann. So finden sich im Kastenaufbau alle Werkzeuge, vom Hammer über die Bohr- und Schleifmaschine bis hin zum Schweißgerät. Hinzu kommen ein Amboss und ein Ofen. Der wird mit Propangas beheizt, das stets in zwei Flaschen an Bord ist.

Im Ofen werden die „Rohlinge“, wie die maschinell vorbereiteten Hufeisen genannt werden, auf Schmiedetemperatur erhitzt. Natürlich kann Zimmermann auch alle notwendigen speziellen Hufeisen anfertigen, sogar orthopädische Hufbeschläge. Einen großen Anteil an seiner Ausbildung nahmen anatomische Gegebenheiten ein: „Vom Hals bis zur Schwanzspitze“, wie er schmunzelnd feststellt, kenne er seither Pferde und Esel.

Schmiede sind in der Regel starke Menschen. Es ist jedoch nicht so, dass ihre Tätigkeit mit einer gewissen Schwerfälligkeit einhergeht. Ganz im Gegenteil, findet Rolf Zimmermann, und stellt fest, was der Beruf des Hufschmieds in erster Linie verlangt: „Enthusiasmus“. Der ist vorzugsweise dann gefragt, wenn ihn sonntagvormittags oder am späten Abend der Anruf eines Reiters erreicht, der dringend ein Eisen für sein Tier benötigt. Die Arbeit kann nicht auf die lange Bank geschoben werden, weil sonst Stücke vom Huf abbrechen, dann ist es schwieriger, das Eisen anzupassen. Immer einsatzbereit besteigt in solchen Situationen der mobile Hufschmied Zimmermann seine rollende Werkstatt und fährt los.

Von Udo Genth