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Bergen Ortsteile Jetzt taucht das Teichholz in Eversen wieder auf
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Jetzt taucht das Teichholz in Eversen wieder auf
19:15 09.12.2016
Eversen

Doch im Landkreis Celle gibt es noch immer Wasserholz aus der Zeit nach dem Windbruch. In einem Teich bei Eversen hat es die Jahrzehnte überdauert. Gleich nach der Aufarbeitung wurden die Stämme 1973 in der Vertiefung eingelagert, dann wurde die Mulde geflutet. Und das meiste Holz ruht da heute noch. Jetzt will die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Celler Land, die für die Privatwaldbesitzer die Pflege der Bestände und die Vermarktung übernimmt, ein paar Stämme anbieten und testen, was der Markt hergibt.

Wenige Stämme schwimmen auf der Teichoberfläche, die meisten ruhen aber unter Wasser, von ihnen ist nichts zu sehen. Wie viele Festmeter Waldbesitzer Michael von Harling hier damals einlagerte, kann Bezirksförster Helmut Garbe nicht sagen. Er vermutet, dass noch rund 500 Festmeter im Wasser liegen. Die Bäume waren damals erntereif, hatten ein Alter von etwa 100 bis 120 Jahren.

„Durch die permanente Wasserlagerung wurde erreicht, dass kein Sauerstoff ins Wasser gelangen kann. So wurde dafür gesorgt, dass das Holz interzellulär wassergesättigt war und somit der chemische Aufbau und die Struktur des Holzes nicht gestört wurden“, erläutert Meike-Christine Böger von der FBG Celler Land. Aus diesem Grund könne das Holz heute, nach 44 Jahren, gut verwendet werden und sei wie frisch geschlagen.

Die Rinde haben die Stämme im Teich verloren. Einige Stämme wurden kürzlich dem Wasser entnommen. Die Sägeschnitte zeigen, dass das Holz durch und durch gesund ist. 13 Stämme, zusammen rund zehn Festmeter, hat Garbe jetzt für eine Submission im Februar in Oerrel im Heidekreis vorbereitet. Dort sollen sie angeboten werden, die FBG will austesten, ob es Käufer für das Jahrzehnte zwischengelagerte Holz gibt, das heute Maximilian von Harling gehört. Als „höherwertige Blockware“ werden die Stämme aus dem unteren Teil des Baumes eingestuft, sie sind „astrein“. Wenn im Laufe ihres langen Wachstums die Bäume die Äste unten am Stamm nach und nach abwerfen, wachsen die jährlichen Schichten über die Astlöcher.

Normales Kiefern-Stammholz mit 35 bis 40 Zentimetern Mitteldurchmesser wird nach Garbes Angaben zurzeit mit 75 bis 85 Euro pro Festmeter gehandelt. „Diese Stämme sollten darüber liegen“, sagt Böger mit Blick auf die Kiefern-Abschnitte neben dem Teich. „Und es gehen keine Schädlinge mehr rein“, ergänzt ihr Kollege.

Tischlermeister Reinhard Peisker bestätigt diese Angaben. Er hat 1992 die Deckenbalken und den gesamten Dachstuhl seines Hauses aus dem Teichholz geschnitten. „Das zellgebundene Wasser ist raus, die Stämme trocknen schneller“, sagt Peisker. Mit einem mobilen Sägegatter wurden seine Balken damals geschnitten und anschließend gesandstrahlt, auch um die letzten Rindenreste von den unbesäumten Flanken zu entfernen. Das Teichwasser habe die Holzinhaltstoffe rausgewaschen, deshalb gingen auch keine Schädlinge mehr rein. Bei der Bruch- und Zugfestigkeit gebe es kleine Probleme, das Holz reiße und schwinde weniger. „Man kann eigentlich alles damit machen“, sagte Peisker und blickt auf die mächtigen Balken an der Decke seines Wohnzimmers.

Von Joachim Gries