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Bergen Ortsteile Jetzt trägt Arbeit der Vorfahren in Feuerschützenbostel Früchte
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Jetzt trägt Arbeit der Vorfahren in Feuerschützenbostel Früchte
17:11 20.01.2017
Meike-Christine Böger und Hans-Jürgen von Harling messen einen der mächtigen Eichenstämme nach. Quelle: Joachim Gries
Feuerschützenbostel

FEUERSCHÜTZENBOSTEL. Ganz einfach war das Ummachen nicht, denn die Stämme konnten nicht einfach umstürzen – eben wegen der Straße. Auch eine Telefonleitung musste die Telekom von den Masten nehmen. Ein Bagger hielt mit seiner Schaufel die Stämme fest, nach dem Sägen senkte er sie langsam auf den Boden.

Jetzt liegen die besten Stücke zur Abholung bereit. Mehrere Meter lang, am oberen Ende 60 Zentimeter im Durchmesser und stärker. Mindestens 200 Euro soll der Festmeter bei der Submission im März bringen. Die Käufer schauen sich die Stämme an und geben ein schriftliches Angebot ab, der Meistbietende erhält den Zuschlag. Die Eichen zählen zum höherwertigen Holz-Sortiment, aus ihren werden vermutlich Landhausdielen und Parkett geschnitten.

Werfen Bäume nach deutlich mehr als einem Jahrhundert Lebenszeit eine Rendite ab? „Das Finanzamt sieht das so“, sagt von Harling. Er geht davon aus, dass der Erlös den Aufwand finanziert, den die Ernte verursachte. Im Umkreis von 150 bis 200 Metern um den provisorischen Lagerplatz sind die Bäume gefallen.

Wer sie einst gepflanzt hat, da kann von Harling nur spekulieren. „Einer meiner Vorfahren, vielleicht haben sie sich auch selbst gebildet.“ Unweit der Örtze haben die Bäume gute Lebensbedingungen gehabt, wurden immer ausreichend mit Wasser versorgt. Die starken Jahresringe verraten es.

Damit Eichen im wahrsten Sinne astreines Holz bilden, müssen die Bäume dicht stehen, die Krone muss nach oben streben. „Sie dunkeln unten aus und werfen die Äste ab“, erklärt Böger. Ein freistehender Einzelbaum bildet seine Krone in alle Richtungen.

Jürgen von Harling bewirtschaftet das Gut in der siebten Generation. Auf 210 Hektar wächst Holz heran. Ururururgroßvater Georg von Harling pflanzte die ersten Bäume an und bewaldete so den Bereich um Feuerschützenbostel. Die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1777, die erste detaillierte Karte des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg, stellte den Bereich noch als Heidefläche dar. „Das ist wirklich ein Generationenvertrag“, sagt Hans-Jürgen von Harling. „Und wer heute anpflanzt, macht es für seine Nachkommen. Das ist ein ganz anderes Denken“, sagt Böger mit Blick auf nahezu alle sonstigen Wirtschaftsbereiche.

„Ich werde das nicht mehr erleben. Das macht die nächste oder übernächste Generation“, sagt der 49-Jährige auf die Frage, wann die anderen Eichen neben der Straße weichen müssen. „Die dicken sollen noch dicker werden.“

Von Joachim Gries