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Bergen Ortsteile „Musik für Feinschmecker“: Duo trifft mitten ins Herz
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile „Musik für Feinschmecker“: Duo trifft mitten ins Herz
15:18 27.08.2010
Jonathan und Laurent in der Fabian-Sebastian Kirche in Sülze - Foto: Jakubowsky Quelle: Hartmut Jakubowsky
Sülze

SÜLZE. Manchmal muss man den Eindruck gewinnen, dass Solosänger zunehmend Kirchen zu Konzertsälen umfunktionieren. Zum Teil mit einem Programm, das den Altarraum mit Vorliebe als Bühne benutzt und nur schwer in den kirchlichen Raum passt. Das mag gut sein für die Musiker, für die Gemeinden sind solche Konzerte aber auch nicht immer ganz unproblematisch, und so kommt man denn durchaus ein wenig skeptisch in die kleine, anheimelnde Fabian-Sebastian-Kirche in Sülze. Mit „Jonathan & Laurent“ allerdings erlebt man überraschend ein Liedermacher-Duo, das mit ausgefeiltem Gesang und mit virtuos gespielten Gitarren, mit Blockflöte, Percussion und Mandoline bis hin zur afrikanischen Kalimba genau in diesen Raum zu passen scheint. Mit anspruchsvollen, christlich geprägten Texten spielt es sich ganz unmittelbar in die Herzen der Zuhörer.

Knapp drei Stunden lang halten der Gitarrist, Sänger und Texter Jonathan Böttcher und der in Frankreich geborene Spanier Laurent Quirós mit erstaunlicher Präsenz das Publikum in Atem – ohne eine einzige Minute Langeweile. Am Schluss ernten sie begeisterten Beifall.

Dabei kommt ihre Musik äußerst melodiös und unaufdringlich daher, überzeugt durch Präzision und Klangvielfalt, durch fantasievolle Improvisation und faszinierenden Ausdruck. Ihre mal poppigen, mal jazzig angehauchten Titel singen sie keineswegs nur in englischer Sprache, sondern auch auf spanisch, indisch und deutsch. „Nice to have you here“ schmeicheln sie zu Beginn dem Publikum, wechseln mit „Bin aufgewacht aus dem längsten Traum“ zum innigen Liebeslied, gestalten mit Inbrunst und Leidenschaft das musikalische Gebet „From the Bottom of my Heart“ und animieren mit „Ich sammle Farben für den Winter“ die Zuhörer sogar zum spontanen Mitsingen. Mit hoher Kopfstimme, kehlig und ungeheuer authentisch gestaltet Laurent eine afrikanische Improvisation und mit übersprudelndem Temperament die tragische Geschichte des Azteken-Mädchens Malinche. Eingängige Balladen, wechseln mit Django Reinhardts „Anouman“, Folklore, Pop und Weltmusik – dezent, unverkitscht und glaubhaft

Dies sei eine Musik für Feinschmecker, betonte Pastor Sören Bein zur Begrüßung und fügte augenzwinkernd hinzu: „Der Nabel der Welt hat einen Namen – Sülze.“ Kein Zweifel ­– da ist mit Blick auf die beiden Interpreten etwas dran.

Von Hartmut Jakubowsky