Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Bergen Ortsteile Nindorf befürchtet Verspargelung des Ortes
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Nindorf befürchtet Verspargelung des Ortes
16:48 21.10.2015
Ein weiterer Bau von Windkraftanlagen würde Nindorf komplett einschließen.  Quelle: Patrick Pleul
Nindorf

In das Haus von Eike von Ahn in Nindorf scheint nachmittags im Sommer die tiefstehende Sonne. Doch der junge Familienvater hat die Sorge, dass die Sonne demnächst durch die Rotoren eines Windrades verdunkelt wird, die ihm und seiner Familie dann einen Schlagschatten bringen. „Wir wohnen jetzt seit 2012 hier und seit wir hier sind, wurden uns Windräder, eine Bahntrasse und eine Höchstspannungsleitung angedroht“, sagt von Ahn.

Deshalb waren er und viele andere Nindorfer am Dienstagabend ins Feuerwehrgerätehaus des Ortes gekommen. Dort erklärte der Planer Michael Keller, wie die Potenzialflächen rund um Nindorf zustande kommen. „Wenn wir harte und weiche Kriterien abziehen, sind wir relativ knapp an Flächen, denn die Stadt Bergen muss einen substanziellen Anteil des Stadtgebietes bereitstellen“, sagte Keller.

Auf einer Karte verdeutlichte er das Problem. Zum Vortragsbeginn war das gesamte Stadtgebiet als Potenzialfläche gelb eingefärbt. Nach und nach wurden dann Orte, Straßen, Schutzgebiete und Hochspannungstrassen eingeblendet. Am Schluss blieben die winzigen Flächen im Norden der Stadt über.

Sie würden das Dorf endgültig einschließen, denn im Osten, auf dem Gebiet der Gemeinde Südheide, gibt es bereits zahlreiche Windkraftanlagen. Da hilft es Eike von Ahn auch nichts, wenn Bürgermeister Prokop erklärt, dass die Ausweisung unausweichlich ist. „Wir haben schon, als wir die erste Fläche in Offen ausgewiesen haben, von einem Gericht bescheinigt bekommen, dass diese Fläche nicht ausreicht“, sagt Prokop. Sollte die Stadt Bergen das jetzt nicht machen, so sagt der Planer Michael Keller voraus, könnte der bestehende Flächennutzungsplan juristisch angegangen werden. „Die Konsequenz wäre eine Verspargelung der Landschaft“, sagt Keller.

In anderen Worten: Mit der Planung droht nur die Verspargelung von Nindorf. Für Eike von Ahn und die anderen ist das naturgemäß kein Trost: „Wir haben uns bewusst für dieses Haus in Nindorf entschieden, auch weil die Dorfgemeinschaft hier so gut ist." Jetzt befürchtet er aber einen Verlust an Lebensqualität und damit verbunden ein Sinken der Immobilienpreise.

Doch ist der Plan wirklich so alternativlos? Laut Kreisrat Gerald Höhl gebe es die Möglichkeit, auf Kreisebene im dort zeitgleich laufenden Raumordnungsverfahren eine Härtefallregelung zu schaffen. „Man könnte zum Beispiel die generelle Vorgabe einführen, dass Orte nur zu 180 Grad von Anlagen eingeschlossen werden. Dann würde diese Regelung für Nindorf, aber auch für andere Orte greifen“, so Höhl. Der Vorteil des Verfahrens auf der höheren Ebene ist, dass es kreisweit bereits genügend Flächen mit Windkraftanlagen gibt. Eine Härtefallregel wäre also möglich, weil die Anforderungen erfüllt sind.

Für Nindorfs Bürgermeister Eckart Borges ist eine Verhinderung der Flächen essentiell: „Die neuen Anlagen gefährden die Gesundheit und auch den Dorffrieden.“

Von Tore Harmening