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Bergen Ortsteile Pinzette als verlängerte Hand: Uhrmacher aus Leidenschaft
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Pinzette als verlängerte Hand: Uhrmacher aus Leidenschaft
17:03 12.03.2012
Albert Bornheber Uhrmacher. Quelle: Amelie Thiemann
Sülze

SÜLZE. Albert Bornhebers Leidenschaft zeigt sich bereits im großzügig geschnittenen Wohnzimmer: Eine große Holzstanduhr mit goldfarbenem Pendel steht gegenüber dem gemütlichen Sofa.

Der Uhrmacher im Ruhestand gerät beim Gespräch über die Standuhren und Regulatoren – kleinere Wanduhren – ins Schwärmen. „Alte Uhren zu reparieren macht am meisten Spaß“, findet Bornheber.

Als 16-Jähriger begann er bei Juwelier Bungenstock in Celle die dreieinhalbjährige Lehre zum Uhrmacher. Genaues, detailliertes Arbeiten lag Bornheber schon in der Schule. Für die Ausbildung zum Uhrmacher lehnte er die bereits zugesicherte Tischlerlehre ab – eine gute Entscheidung, wenn man Bornhebers Begeisterung hört, mit der er von Uhren spricht.

Während der Ausbildung fuhr Bornheber mit dem Zug von Sülze nach Celle, am Sonnabend nahm er die Strecke auch mit dem Fahrrad auf sich. Seine Gesellenprüfung legte der heute 77-Jährige im September 1953 ab. Als Gesellenstück fertigte er Ersatzteile für Uhren an. Dafür trieb er eine Drehbank per Hand an und führte den Stichel – einen kleinen, spitz zugeschliffenen Stahlstift –, um die Teile entsprechend zu bearbeiten.

1956 wechselte der Uhrmacher zu Juwelier Rahls in Celle, wo er bis 1991 arbeitete. Anfangs reparierte er nur mechanische Uhren, dann kam der Übergang von mechanischen zu Quarzuhren. „Bei den mechanischen Uhren gab es viel mehr Teile, also auch mehr zu reparieren“, sagt der Sülzer.

Die Quarzuhren bestehen vor allem aus einem elektronischen Block, kurz E-Block. Dieser müsse am häufigsten ausgetauscht werden, weiß der erfahrene Uhrenexperte. Im Laufe der Jahre verringerte sich die Arbeit für die Uhrmacher, von anfänglich vier reparierten letztendlich nur noch zwei die defekten Uhren bei Juwelier Rahls. Kunden kauften eher eine neue Uhr, wenn der Preis einer Reparatur nah am ursprünglichen Kaufpreis lag. „Bei Erbstücken oder Uhren, an denen viele Erinnerungen hingen, bezahlten die Kunden aber meist die Reparatur“, sagt Bornheber.

Mittlerweile ist er im Ruhestand, hat sich auf alte Großuhren spezialisiert. Das Reparieren von Uhren ist nur noch ein Hobby, Bornheber betreibt es leidenschaftlich. „Die Uhren bekomme ich durch Mundpropaganda“, erzählt Bornheber und zeigt stolz seine kleine Werkstatt, die er sich neben der Garage eingerichtet hat.

Im Regal stehen flache Apothekerschränke aus Holz mit unzähligen, kleinen Schubfächern. In ihnen lagert Bornheber diverse Ersatzteile, vom Zeiger bis zum Zifferblatt ist alles dabei. In niedrigen Glasgefäßen liegen die Einzelteile der Uhren, die Bornheber zurzeit repariert. „So ist alles zusammen und nichts geht verloren“, erläutert er sein System. Gekonnt setzt sich der Uhrmacher eine Lupe in die Augenhöhle, mit winzigen Schraubendrehern bearbeitet er die beschädigte Armbanduhr. Eine Pinzette, so spitz wie ein Speer, ist seine verlängerte Hand.

Fragt man Bornheber nach seinen Lieblingsuhren, ist seine Antwort klar: „Omega-Uhren gefallen mir am besten, das sind einfach tolle Uhren von Qualität.“ Amelie Thiemann

Von Amelie Thiemann