Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Bergen Ortsteile Rinderwurst mit Fleisch vom eigenen Vieh
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile Rinderwurst mit Fleisch vom eigenen Vieh
13:07 27.02.2015
Von Karin Dröse
Aus Liebe zum Tier halten Wilhelm und Brigitte Habermann - einen Esel und Katzen. Quelle: Alex Sorokin (3)
Becklingen

Was auf dem Rippenhof in die Rinderwurst kommt, ist kein Geheimnis. Das regionale Traditionsrezept besteht aus gekochtem Rindfleisch, Talg, Hafer- oder Buchweizengrütze, Zwiebeln, Salz und einer Mischung aus Nelkenpfeffer und weißem Pfeffer. Manchmal bereitet Brigitte Habermann die Mischung selbst zu. Beim Hoffest, das in diesem Jahr am 13. September stattfindet, stellt ein Schlachter die Rinderwurst in großen Mengen her und verwendet dabei das Rindfleisch, das auf dem Hof produziert wird, und das Rezept der Familie. Alle Familienmitglieder helfen mit, wenn auf dem Hof der Andrang groß ist. Marlene Habermann ist Wilhelm Habermanns Mutter und lebt auf dem Hof. Sie steht am Herd und brät die Rinderwurst, die es beim Hoffest zusammen mit Speckkartoffelsalat gibt. „Eine leicht säuerliche Beilage macht das deftige Essen leichter verdaulich“, weiß die ehemalige Lehrerin.

Ihre Schwiegertochter Brigitte Habermann entscheidet sich für das regionale Rezept, das sie vorstellt, für Himmel und Erde als Beilage zur Rinderwurst. Die Mischung aus Kartoffeln und Äpfeln ist ebenfalls leicht sauer. Ihr Ehemann Wilhelm Habermann bricht eine Lanze für die Rinderwurst, die es dazugibt: „Da kommt nur Rindfleisch hinein und nichts anderes, auch wenn sich der Name Kopfwurst hartnäckig hält. Kopf und Rückenmark werden beim Schlachten sofort ausgesondert und durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt vernichtet.“

Der gelernte Landwirt, der heute beim Bundeswehr-Dienstleistungszentrum arbeitet, weiß, wovon er spricht. Als vor 14 Jahren die Angst der Verbraucher vor BSE (auch als Rinderwahn bekannt) Schlachtrinder nicht mehr zu verkaufen waren, musste er umdenken. Er sattelte auf Mutterkuhhaltung um. Die Kälber bleiben auf seinem Hof acht Monate bei der Mutter und verbrauchen dabei die Milch. Hoffeste und Stellplätze für Wohnmobile auf dem weitläufigen Gelände sind drei Säulen, die die Existenz des Hofes weiterhin sichern.

Leben können Wilhelm und Brigitte Habermann davon nicht: „Wir schaffen es so, die Kosten zu erwirtschaften und haben mit unseren Tieren Freude“, so das Paar, das seit 28 Jahren verheiratet ist. Esel, Gänse, Ziegen, Hühner und Katzen leben auf dem Hof. Trotz des köstlich duftenden Haselnusskranzes ist die Stimmung beim Kaffeetrinken betrübt: „Gerade hat der Fuchs sechs Hühner aus dem Stall geholt“, erzählt Brigitte Habermann. Die verbliebenen Hühner sind so verunsichert, dass sie den Hühnerstall meiden. Sie halten sich lieber in der Scheune auf. Beunruhigt ist Wilhelm Habermann auch von der Wolfspopulation im Nordkreis.

Er mag sich nicht vorstellen, was passiert, wenn eine Kuhherde vom Wolf in Panik versetzt auf die Straße läuft. Nicht nur Herden auf der Weide sind betroffen, auch Bauern, die ihre Rinder im Offenstall halten, machen sich Gedanken und fühlen sich allein gelassen. (dr)