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Bergen Ortsteile "Y-Trasse wäre Katastrophe für Bergen"
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Ortsteile "Y-Trasse wäre Katastrophe für Bergen"
18:15 04.11.2014
Eversen

"Das ist ein Wahnsinn", mit diesen Worten reagierte Wilhelm Hohls, Ortsbürgermeister in Becklingen, am Freitagabend auf die Präsentation der möglichen Y-Trasse für den Schienengüterverkehr durch die Stadt Bergen durch den CDU-Bundestagsabgeordneten Henning Otte. Westlich seiner Heimatgemeinde liege der Truppenübungsplatz Bergen, östlich das Naturschutzgebiet Becklinger Moor. Da könne es einfach nicht sein, dass der drei Kilometer breite Streifen auch noch durch eine zweispurige Eisenbahnstrecke für Güterzüge zerschnitten werde. Käme die Verbindung, würde sie östlich der Siedlung an der Bahnhofstraße in Nord-Süd-Richtung verlaufen.

Otte hatte in seiner Präsentation gezeigt, dass nach den Informationsveranstaltungen der Bahn in der Region zur Y-Variantenbetrachtung als erstem Schritt das Dialogverfahren in der Region als zweiter Schritt voraussichtlich im Januar 2015 beginnen werde. Er hatte dann die einzelnen Varianten vorgestellt und war detailliert auf den Ausbau der Y-Trasse für Güterverkehr (SGV-Y) zwischen Maschen und Soltau sowie Langwedel und Soltau und von dort weiter nach Celle auf einer weitgehend neuen Strecke eingegangen. Die Deutsche Bahn schätzt die Kosten für diese Variante auf 2,5 Milliarden Euro, nach ihren Angaben sind 80 Kilometer Schutzgebiete berührt, durch Schallimmissionen sind etwa 25.000 Wohneinheiten betroffen, was etwa 65 Kilometer Lärmschutzwände nötig macht.

Otte machte deutlich, was eine zweigleisige, elektrifizierte Trasse vor allem im Bergen Raum bedeuten würde: Wald und landwirtschaftliche Flächen würden zerschnitten, in der hügeligen Landschaft wären tiefe Einschnitte und lange Aufschüttungen nötig, um die Gleise für die schweren Züge mit nur geringen Steigungen verlegen zu können. Wegen gekappter Verbindungen würden weite Umwege anfallen. Für Ausgleichsfläche müssten weitere Ackerflächen in Anspruch genommen werden. Nicht nur die Natur, auch bäuerliche Betriebe seien gefährdet, so der Abgeordnete. "Da müssen wir zusammenstehen. Das können wir nicht zulassen", sagte Otte.

Karl-Hinrich Mayer vom Landvolk Bergen sagte, er sehe die Entwicklung mit erheblicher Sorge. Die Region müsse sich solidarisieren. Er schlug vor, die mögliche Trasse in der Landschaft sichtbar zu machen. Rainer Prokop versicherte, er als Bürgermeister der Stadt Bergen stehe hinter dem Widerstand. Käme die Trasse, wäre das eine weitere Katastrophe für Bergen und den gesamten Nordkreis, auch für die Gemeinde Südheide. "Die wirtschaftliche und touristische Entwicklung wird uns kaputt gemacht, wenn das so kommt", sagte Prokop.

Noch am Freitagabend hatte sich eine Koordinierungsrunde für den Widerstand um Jan-Hendrik Hohls aus Becklingen zusammengefunden. In Kürze werde ein Aktionsbündnis die Arbeit aufnehmen, sagte Hohls gestern der CZ.

Die mögliche Trasse der Güterverbindung durch den Landkreis Celle ist im Internet zu finden: http://mbs-hbh.die-bahn-baut.de/docs/6/Isophonen_SGV-Y.pdf. Hier sind die Lärmauswirkungen dargestellt sowie notwendige Lärmschutzwände dargestellt. Auf jeder Karte ist festgehalten: "Untersuchungsraum, Trassenführung noch nicht festgelegt".

Von Joachim Gries