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Bergen Stadt Bergen hat neuen Stadtschreiber
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Bergen hat neuen Stadtschreiber
23:02 03.08.2018
Von Christopher Menge
Quelle: David Borghoff
Bergen Stadt

>Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich aber nicht um einen Antikriegsroman, sondern um eine Liebeserzählung vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise. Die Handlung spielt in den Jahren zwischen 1988 und 2014. Parallelen zum Tagebuch der Anne Frank und ihrem Versteck, zur Affäre um die vermeintlichen Hitler-Tagebücher oder zu Schindlers Liste sorgen für eine Verbindung von der Geschichte mit der Gegenwart.

"Bergen unterscheidet sich von allen anderen Gemeinden in der Lüneburger Heide, weil hier Menschen aus 50 verschiedenen Nationen leben", sagte Bergens Bürgermeister Rainer Prokop, der sich freut, dass Bergen einen neuen Stadtschreiber gefunden hat, der Themen wie Frieden, Internationalität, Toleranz und Integration aufgreifen wird. Mit dem niederländischen Autoren wurden drei mehrwöchige Aufenthalte als "Bergen-Artist-in-Residence" für die Jahre 2017 und 2018 vereinbart. Der Bürgermeister ist daher optimistisch, dass das Engagement erfolgreicher verläuft, als das des ersten Stadtschreibers, Mano Bouzamour, der nur selten in Bergen zugegen war.

Geplant ist auch eine enge Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen, wo sich die Mitarbeiter gerade intensiv mit dem Thema "Kinder im KZ Bergen-Belsen" beschäftigen. Im April wird hierzu eine Ausstellung eröffnet. "Heerma van Voss soll in das Projekt integriert werden", sagte Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Sabine Fuhrmann, Oberschulrektorin der Anne-Frank-Oberschule, möchte die Themen außerdem gerne in Projekttagen oder Workshops mit dem Stadtschreiber vertiefen.

Denn die Themen des Romans betreffen die Schüler direkt. "Mobbing gibt es auch bei uns", sagte Kien Ray, der wie seine Mitschülerin Lies Lönnecke auf dem Podium Platz nahm. In dem Roman hilft die Hauptfigur Abel Kaplan einem Schüler, der gehänselt wird. "Er mischt sich in Schicksale ein, handelt aber oft unlogisch und unvernünftig – ohne political correctness", sagte Moderator Ottfried Franke. "Kaplan weckt beim Leser Sympathie auf Abstand."

Heerma van Voss, der auch Journalist und Historiker ist, sieht sich in erster Linie als Schriftsteller. "Die Vorstellungskraft ist wichtiger als die Geschichte", sagte er gestern.

Und was wäre im Krieg? Würde man mitmachen, sich entziehen oder Widerstand leisten? Diese Fragen wurden gestern nicht beantwortet. Aber die erste Lesung des neuen Berger Stadtschreibers machte deutlich, dass es nicht nur den großen Krieg gibt, wie er zum Beispiel in Syrien tobt, sondern auch den kleinen, der mit Mobbing in der Schule beginnt.