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Bergen Stadt Bergen will Grundstein für 2030 legen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Bergen will Grundstein für 2030 legen
16:11 03.08.2018
Diskutiertenüber Bergen2030 (von links): Rainer Prokop, Nevin Yavsan, Hannah Prilop, Ottfried Franke, Stephan Becker, Axel Stahlmann, Claudia Dettmar-Müller und Jens-Christian Wagner. Quelle: Oliver Knoblich
Bergen Stadt

Dass das Thema der Bürgerschaft unter den Nägeln brennt, war am Mittwochabend beim Bürgerdialog zu merken. Rund 100 Einwohner hörten den Rednern über ihre Visionen, wie Bergen im Jahre 2030 aussehen könnte, zu. Nein, sie hörten nicht nur zu: sie mischten sich ein und diskutierten.

„Das ist kein Alleinstellungsmerkmal für Bergen“, ist aus dem Saal zu hören, „das passt auch auf Soltau und Amelinghausen.“ Die Aussage „Bergen – eine Stadt in der Lüneburger Heide“ wird kontrovers diskutiert. Auch Stephan Becker, Projektmanager der Stadt Bergen, der dieses Leitbild vorstellte, räumt diesen Kritikpunkt ein. Er sieht Bergen als „familiengerechte Kleinstadt mit ihren zwölf Heidedörfern“. Es liefe nicht alles optimal, aber dieses biete auch Optionen. „Freiwerdenden Wohnraum als Chance nutzen, neue Menschen zu gewinnen“, sagte Becker.

„Mehr auf Jugendliche eingehen“, forderte die 16-jährige Nevin Yavsan. In dem von ihr vorgestellten Leitbild spricht sie für die Jugend. In Bergen herrsche keine Anonymität: Ein „Hallo“ auf der Straße sei selbstverständlich. Freizeitangebote sind bei den Jugendlichen ein großes Thema, eng damit verbunden: Mobilität. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad sei alles erreichbar, doch es sollen neue Konzepte entwickelt werden, um die regionale Erreichbarkeit zu erhöhen.

„Fast alle Unternehmen sind Inhaber geführt“, betonte Claudia Dettmar-Müller, „und das ist die Stärke des Ortes.“ Die Unternehmerin blickte in dem von ihr präsentierten Leitbild auf die Wirtschaft. Kontrovers wurde im Publikum die Stellung Bergens als Einkaufsstadt diskutiert. „Innenstadt-Shopping in Zeiten des Internets?“ Zweifel kamen im Saal auf. Für die Zukunft will man den Berger Einzelhandel auf dem Weg in die Digitalisierung helfen.

Jährlich besuchen 250.000 Besucher aus aller Welt die Gedenkstätte in Bergen-Belsen. „Wir dürfen aus dem Stigma keinen Standortfaktor machen“, so Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Dennoch seien Touristen ein Teil der Gesellschaft. In dem von ihm vorgestellten Leitbild folgte er dem Aspekt Kultur und Tourismus. Eine internationale Begegnungsstätte soll neue Zielgruppen ansprechen. Die Vernetzung von Kultur und Tourismus schaffe Synergieeffekte, die schließlich auch der Wirtschaft Bergens helfen würden.

Doch Ziel des Bürgerdialogs war es nicht, ein einzelnes Leitbild durchzuwinken oder gar gegeneinander konkurrieren zu lassen, sondern neue Impulse für ein zukunftsfähiges Bergen zu entwerfen. „Nicht alles ist umsetzbar“, betonte Prokop, „doch wir müssen auch utopische Momente zulassen.“ Nur so sei ein gut ausbalanciertes Stadtbild möglich. Die Ergebnisse des Dialogs sollen nun in den weiteren politischen Prozess fließen.