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Bergen Stadt Bergens Stadtschreiber: "Aus unserer Partnerschaft wird man noch lesen"
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Bergens Stadtschreiber: "Aus unserer Partnerschaft wird man noch lesen"
19:39 04.08.2018
Von Christopher Menge
Bergen Stadt

„Wir haben nicht alle Pläne wahrmachen können, die wir für 2016 hatten. Mein Terminkalender – zu voll: Lesungen, Film, Theater, Hörspiel, Interviews. Beim ersten Roman aus dem stillen Kämmerlein kannte mich niemand. (...) Jetzt muss ich mich zum Schreiben von der Außenwelt einschließen, muss untertauchen“, schreibt Bouzamour, „über manches aus unserer Partnerschaft wird man noch lesen. In vielen meiner Gespräche geht es auch um Bergen. Ich prahle nicht damit, will nicht angeben mit dieser Beziehung, aber sie beeindruckt die Menschen. Für mich ist sie eine große Ehre. Ich ermutige Bergen, auch 2017 einen Stadtschreiber auszuloben, und will gern dabei helfen. Und Bergen wird zum Schauplatz noch mancher journalistischen und literarischen Wortmeldung auch von mir.“

Prokop nimmt es Bouzamour nicht übel, dass er nicht wie geplant rund um die Buchmesse einige Tage in Bergen verbrachte. „Insgesamt war es mit ihm eine tolle Sache“, sagt Prokop, der sich freuen würde, wenn es in Bergen auch im kommenden Jahr einen Stadtschreiber geben würde. „Ich werde das in die neuen Gremien geben“, sagt der Bürgermeister, der die Idee aus Frankfurt mitgebracht hatte. „Ich bin stolz darauf, dass wir mit Mano Bouzamour einen offensichtlich sehr aussichtsreichen jungen niederländischen Schriftsteller als ersten Stadtschreiber von Bergen gewinnen konnten und ihm den Start auf dem deutschsprachigen Markt erleichtert haben. Ich freue mich über ihn und seinen Erfolg.“

Bouzamour, Amsterdamer mit marokkanischen Wurzeln, lässt Anne Frank in seinem Roman „De belofte van Pisa” („Samir, genannt Sam”) überleben und rächt die Ikone, die 1945 in Bergen-Belsen ermordet wurde. „Für mich und für Bergen ist Annes Tagebuch ein wichtiges Werk, was wir teilen”, so der 25-jährige Autor. Der Roman hat Staub aufgewirbelt und Lärm gemacht, begeistert, gespalten. „Ich freue mich, dass mein Roman über Minderheiten eine Mehrheit begeistert. Auch dies ist, was wir teilen: weniger Klischees und Wunschdenken, mehr Wirklichkeit, auch bei Einwanderungsrealität und Integrationspolitik“, schreibt Bouzamour.

Bürgermeister Prokop sei der erste gewesen, der ihn im Januar 2015 nach Deutschland eingeladen habe. „Zum ersten Mal aus der deutschsprachigen Ausgabe habe ich im Juni 2015 in Bergen gelesen, lange vor Drucklegung“, sagt Bouzamour.