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Bergen Stadt Berger Hoteliers fürchten Konkurrenz durch IBB
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Berger Hoteliers fürchten Konkurrenz durch IBB
22:55 03.08.2018
Von Audrey-Lynn Struck
Das „Schuhkarton“-Modell des Architekten Martin Müller (rechts) zeigt die minimalste Ausstattung und Größe einer Internationalen Begegnungsstätte. Für den Bau würden wahrscheinlich 5 Millionen Euro ausreichen. Die „Traumversion“ (oben) ist wesentlich schicker, aber auch teurer. Quelle: schulze ud partner architektur /martin a. müller architekten
Bergen Stadt

„Ich bin sehr froh, dass wir heute an dem Punkt sind, wo wir stehen“, meldet sich Ausschussmitglied Claudia Dettmar-Müller zu Wort. Laut der CDU-Politikerin sei das 5-Millionen-Projekt einer Internationalen Begegnungsstätte Bergen (IBB) für die Stadt von immenser Bedeutung. Seit zwei Jahren arbeitet man in Fachkreisen an der IBB. Am Montagabend sollte nun die abschließende Empfehlung an den Verwaltungsausschuss gegeben werden, um den Antrag auf Fördermittel an den Bund zu stellen. Doch die Ausschussmitglieder kamen auch nach dreistündiger Diskussion und Experten-Vorträgen zu keinem Ergebnis. Die Entscheidung wurde vertagt.

„Bis zum 26. Oktober muss die Verwaltung das Go haben, den Antrag auf Fördermittel stellen zu dürfen“, sagt Bergens Bürgermeister Rainer Prokop am Ende der Sitzung. Sonst werde das Vorhaben beendet. Bis dahin gilt es noch einiges zu klären.

Vor allem der Vorsitzende der Grünen-Fraktion Jürgen Patzelt äußerte zum geplanten Projekt seine Bedenken: „Es gibt bisher keine Konzepte, keinen Betreiber und die Höhe der Kosten steht ebenfalls noch nicht fest.“ Seit einem halben Jahr plant Patzelt an der IBB mit, bisher habe er „keine Planungsfortschritte“ gesehen. „Wir geben hier öffentliche Gelder aus. Wenn ich heute beschließe: Wir bauen das Ding, und mir erst morgen Gedanken über die Eckpunkte mache, bekomme ich richtig Angst“, sagt der Grünen-Politiker.

Prokop hält dagegen: Bereits 2014 und 2015 habe man in einem Workshop über den Nutzen einer Internationalen Begegnungsstätte diskutiert und in dem Zuge ein Identitäts- und Leitbildkonzept erstellt. „Zumindest die Eckpunkte sind also bereits gegeben“, betont der Bürgermeister. Außerdem ginge es bei der Ausschuss-Abstimmung am Montagabend um die Frage, ob das Projekt weiter vorangetrieben werde, und nicht, ob man es am Ende tatsächlich baue, so Prokop. „Wenn sich herausstellt, dass die IBB für uns doch eine Nummer zu groß ist, können wir immer noch die Notbremse ziehen.“

Wie das Gebäude am Ende aussehen könnte, zeigte Architekt Martin Müller. Er stellte ein Raumprogramm vor und rechnete vor, welche Kosten sich daraus ergeben würden. „In diesem Schuhkarton-Modell ist Platz für 100 Betten und zwei Seminarräume à 80 Quadratmetern“, erklärt Müller. Daraus leite sich eine Gesamt-Grundstücksgröße von 3000 bis 3500 Quadratmetern ab, die Kosten würden knapp 5 Millionen Euro betragen.

Zwar legte der Architekt mit diesen Ausgaben eine Punktlandung nach Maß hin – der Stadt stehen exakt 5 Millionen aus Förder- und Eigenmitteln zur Verfügung –, doch sein Konzept stieß sowohl bei den Kommunalpolitikern als auch bei den örtlichen Gastronomen und Hotelbesitzern auf Kritik. Während die Ratsmitglieder Ausstellungsräume, eine größere Bibliothek und mehr Seminarräume zum selben Preis wollen, haben die Hoteliers ganz andere Sorgen.

„Bei so vielen Zimmern betreibt die Stadt eigentlich im Prinzip einen normalen Hotelbetrieb und macht damit anderen Geschäften Konkurrenz“, sagt die „Bed & Breakfast“-Inhaberin Bettina Brockmann. Die Hotelbesitzerin und Geschäftsführerin des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga) Claudia Perchner spricht für ihre Kollegen, die wegen der Terminlegung nicht zur Sitzung kommen konnten. „So wie ich es heute Abend verstanden habe, sollen die IBB-Gäste den Bildungsapparat nutzen und müssen Seminare dazu buchen. Wenn das richtig ist, dann ist das kein Problem für die übrigen Gastronomen“, sagt Perchner.

Die SPD-Politikerin Ros-Marie Siemsglüß spricht aus, was viele Ratsmitglieder denken: „Heute sind die Frage der Standortentscheidung und Informationen auf den Tisch gekommen. Wir müssen dazu bis zum nächsten Mal noch unsere Hausaufgaben machen.“