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Bergen Stadt Bezaubernde Ereignislosigkeit
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Bezaubernde Ereignislosigkeit
20:52 23.02.2014
Sebastian Krämer im Berger Stadthaus. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Bergen Stadt

Mit dem Berliner Klavierkabarettisten Sebastian Krämer stand ein Künstler auf der Bühne, der mit feingeistigem Humor und hintersinnigem Charme das Publikum begeisterte. Wie bei einem Verwandtenbesuch sah man sich von Krämer in eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre versetzt, als er über dies und jenes zu plaudern begann, auf Understatement setzend und (gewollt) ein wenig verklemmt wirkend, dabei aber locker und spontan mit zielgerichteten spitzen Pfeilen hantierend. Nach der Antwort auf seine scheinbar belanglose Frage etwa, wie denn „diese Veranstaltungshalle“ heiße, klang sein Kommentar wie ein artiges Kompliment: „Stadthaus – ein schöner Name für ein Haus in einer Stadt.“

Einfach schön, wie er immer wieder vom Philosophischen ins komisch Banale zu wechseln verstand: Herrlich ausufernde „Geschichten von bezaubernder Ereignislosigkeit“, sprachverliebt zurechtgeklöppelt und mit irrwitzigen Details garniert. Etwa beim Sinnieren über das Leopardenlook-Angebot eines Nageldesign-Studios, als Krämer feststellte, dass doch der Leopardenlook bei seinem Namensgeber eigentlich an der Krallenkante endet. Oder als er in seinem Song „Flohmarkt im Regen“ mit erheiternder Ironie die „wehmütige Seite des Kapitalismus“ beleuchtete. Dabei wusste Krämer sich nicht nur ungemein gewählt auszudrücken, sondern auch sein klassisch geschultes Klavierspiel quasi zum Komplizen seiner von schrägen Alltagsabsurditäten durchtriebenen „Ausdrücklichkeiten“ zu machen und seine kabarettistischen Pointen mit verschmitzten Zwischentönen zu verbinden. Und sein Kollege Karsten Zimmermann (Flügelhorn) sorgte von Zeit zu Zeit mit filigran ausformulierten „musikalischen Wortspielen“ für überaus anregende Dialoge.

Von Rolf-Dieter Diehl