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Bergen Stadt Briten-Wohnungen: Rosskur für Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Briten-Wohnungen: Rosskur für Bergen
22:02 15.02.2014
Die roten Flächen auf der Karte zeigen, wo in Bergen künftig überflüssige Wohnungen leerstehen werden. Quelle: Tore Harmening
Bergen Stadt

Die Stadt will damit das Problem der Wohnungen angehen, die leer stehen werden, wenn die britischen Streitkräfte 2015 endgültig den Ort verlassen. „Durch den demografischen Wandel wird sich die Nachfrage nach Wohnungen bis 2030 um 500 Wohnungen reduzieren. Wenn die Briten in zwei Jahren weggehen, werden zudem auf einen Schlag 850 Wohneinheiten frei”, so Mayer.

Man müsse sich mit diesem „Schreckenszenario” beschäftigen, das auch in Hannover noch nicht richtig deutlich geworden sei, so der Planer. Das „Szenario” ist aus seiner Sicht die Entwertung der leeren Wohnungen einhergehend mit einem generellen Preisverfall auf dem Wohnungsmarkt, Verwahrlosungstendenzen und dem Niedergang bestehender Quartiere.

Zusätzlich fallen 600 Arbeitsplätze weg, was einer Verdoppelung der Arbeitslosenquoten gleichkäme.

Um die Situation zu stabilisieren, will Mayer für das neue Stadtentwicklungskonzept errechnen, wie hoch die Abrisskosten für die Gebäude sein werden. Denn nur im konsequenten Rückbau sieht er eine Chance, den Wohnungsmarkt abzufangen und größere Brennpunkte in der Stadt zu vermeiden. Betroffen von dieser Aktion sind vor allem die Wohngebiete im Norden der Stadt rechts und links von der Bundesstraße 3. „Ein weiterer Brennpunkt, der im Auge behalten werden muss, ist die Berliner Straße”, sagte Mayer.

Doch einfach so abreißen, wird nicht so einfach. Das wurde auch bei der Sitzung noch einmal deutlich, obwohl sich das mancher Besucher ganz simpel vorstellte.

Die Wohnungen befinden sich fast ausnahmslos in Privatbesitz und viele Vermieter haben auch noch langfristige Mietverträge mit der Bundesanstalt für Immobilien. Dass sie alle freiwillig ihre Wohnungen ohne Entschädigung abreißen lassen, ist nicht denkbar. Gleichzeitig kann die Stadt nicht einfach über diese Wohnungen verfügen, denn das Recht auf Eigentum ist ein hohes Gut, das verfassungsrechtlich garantiert ist. „Da gibt es enge Grenzen”, sagte Frank Juchert, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Zudem hätte die Stadt nicht die Mittel, um eine solche Aufgabe zu finanzieren. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger von Borcke rechnete in der Sitzung aus, dass schon alleine eine Summe von 20 Millionen Euro zusammenkomme, wenn pro Wohnung Kosten von 30.000 Euro entstehen.

„Sie werden diese Aufgabe nicht allein bewältigen, dafür brauchen sie Mittel der Landesregierung und des Bundes”, sagt Mayer. Der Gewerbevereinsvorsitzende Hermann Hiestermann warb in der Sitzung dafür, sich genau auf diese Aufgabe zu konzentrieren. „Die Ansiedlung von Gewerbe ist nicht das vordringliche Problem, denn viele Firmen haben derzeit Probleme ihre freien Stellen zu besetzen. Der Rückbau aber ist notwendig, damit wir nicht in großen Maße ein Klientel bekommen, das wir hier nicht haben möchten”, so Hiestermann.

Bis zum Sommer soll das Entwicklungskonzept fertig sein.

Von Tore Harmening