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Bergen Stadt Celle als Gewinner der Energiewende
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Celle als Gewinner der Energiewende
06:08 07.08.2018
Quelle: cz
Bergen Stadt

Der Boom beim Ausbau der alternativen Energien im Kreis Celle ist vorbei. Das stellt die Celle-Uelzen Netz (CUN) in ihrem neuen Bericht fest. „Wir hatten zwar 2013 ein Wachstum bei den Kilowattstunden, viele der Anlagen waren aber schon 2012 aus Fördergründen am Netz und haben erst im vergangenen Jahr die volle Leistungsstärke erreicht”, sagt Sprecher Ralf Horst.

Laut Ulrich Finke, Geschäftsführer der CUN, wurden rund 822 Millionen Kilowattstunden in das Betriebsnetz gegeben und etwa 1,191 Millionen entnommen. „Rechnerisch entspricht das einem Deckungsgrad von 69 Prozent des Bedarfes mit erneuerbaren Energien”, sagt Finke. Allerdings sind die großen Windparks in dieser Rechnung nicht enthalten, weil sie soviel Strom produzieren, das der gleich in ein übergeordnetes Netz eingespeist wird. Finke geht deshalb davon aus, dass der Landkreis trotz nachlassender Bautätigkeit schon in wenigen Jahren rechnerisch eine Deckung von 100 Prozent aufweist, weil noch einige große Windparks in Planung sind.

Zu der aktuellen Diskussion um die Abgabe der EEG-Umlage auf Strom aus der eigenen Anlage, sieht Finke höchsten eine Möglichkeit, das bei neuen Anlagen zu verändern, weil die anderen Bestandsschutz haben. Auf lange Sicht werde sich die Politik ohnehin ein anderes Modell überlegen müssen. „Ursprünglich wurde die Umlage ja einmal geschaffen, um den Anschub der erneuerbaren Energien zu finanzieren. Doch derzeit frisst die Entwicklung ihre Kinder”, sagt Finke mit Blick auf viele Insolvenzen wie zuletzt den Windanlagenbauer Prokon. Wenn die Förderung im Jahr 2027 auslaufe, müssten Investoren trotzdem einen Anreiz haben, in die Projekte zu investieren.

Wenn Anlagen noch ans Netz gehen, handelt es sich wegen der ohnehin abgesenkten Fördersätze in der Regel um kleinere Solaranlagen, die Häuslebauer sich noch aufs Dach bauen lassen. Biogasanlagen hingegen werden sowohl in Celle als auch im benachbarten Landkreis Uelzen nicht mehr gebaut. „Der Trend geht hier zum Repowering”, erklärte Finke. Die Anlagen werden also mit leistungsfähigeren Modulen zur Stromerzeugung ausgestattet. Außerdem nehmen viele Betreiber inzwischen am Regelenergiemarkt teil, was bedeute, dass sie ihre Anlagen dann starten, wenn Strom gerade besonders teuer verkauft werden kann, weil das Angebot schwach ist. Sie tragen so zur Netzstabilität bei.

Im Bereich der dezentralen Einspeisung von Strom registriert die CUN laut Finke derzeit zudem einen Anstieg der Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Sie werden mit Gas angetrieben und produzieren Strom und Wärme gleichermaßen. „Das lohnt sich aber nicht für ein Einfamilienhaus, sondern wird erst bei größeren Einheiten interessant”, sagt Finke.

Volkswirtschaftlich betrachtet sieht die CUN die Region Celle als Gewinner der Energiewende. So sammelt das Unternehmen als lokaler Versorger 27 bis 30 Millionen Euro an EEG-Umlage ein, in die Region werden hingegen 140 Millionen Euro an Anlagenbetreiber ausgezahlt – 89 Millionen davon in den Landkreis Celle. „Verlierer der Entwicklung sind Gebiete mit viel Bebauung, etwa im Ruhrgebiet”, sagt Ralf Horst. Dort wird mehr EEG-Umlage gezahlt als eingenommen wird.

Von Tore Harmening