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Bergen Stadt De „native“ Plattsnackers ut Eversen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt De „native“ Plattsnackers ut Eversen
15:18 21.11.2018
Gebannt lauschen die Grundschüler der Geschichte von Anette Weigelt. Quelle: Birgit Stephani
Eversen

Deutschlands Bullerbü liegt zweifelsohne im Landkreis Celle, genauer gesagt in Eversen. Eine kleine Dorfschule, in der die Uhren noch etwas anders ticken. Einzügig ist sie, was bedeutet, pro Jahrgangsstufe gibt es lediglich eine Klasse. Also insgesamt vier Klassen von der Stufe eins bis vier. Und noch etwas ist anders in Eversen: die dortige Grundschule ist eine „plattdüütsche School“.

Schon am Eingang weißt ein Schild auf den hohen Stellenwert der norddeutschen Sprache hin. Und das steht nicht nur an der Wand, das ist auch so. In Eversen kennt man sich, hier hilft man sich untereinander und hier spricht man tatsächlich noch im täglichen Leben Plattdeutsch miteinander. Die Kinder wachsen vielfach mit der Sprache auf, sprechen sie zu Hause mit Oma und Opa und sogar mit den Eltern.

Über das Jahr verteilt gibt es in der Grundschule immer wieder plattdeutsche Tage wie beispielsweise den Vorlesetag. Daran nimmt die gesamte Schule teil. Das Prinzip dahinter: Plattsnacker, also Menschen, die auch sonst in ihrem Alltag noch viel Plattdeutsch sprechen, kommen in die Schule und lesen den Kindern plattdeutsche Geschichten vor.

Platt schon auf dem Schulhof gesnackt

Horst Frieling, Anette Weigelt, Holger Marwede und Wolfgang Stratmann sind solche neudeutsch „Native Speaker“ und nahmen sich auf Einladung der Schulleitung einen Nachmittag lang Zeit, aus plattdeutschen Kinderbüchern vorzulesen. 49 Grundschüler lauschten gespannt den kurzweiligen Geschichten, bei denen es für die meisten keinerlei Verständigungsprobleme gab. Das ist nicht verwunderlich, denn die meisten von ihnen wirken auch in der plattdeutschen Theater-AG mit.

Schulleiterin Christine Hieronimus ist von der plattdeutschen Sprache begeistert. Sie stammt aus Ostfriesland, spricht fließend Platt und ist zusammen mit ihren Kollegen an der Schule eine treibende Kraft für die Integration des Plattdeutschen in den Schulalltag. Ihr Engagement für die Sprache geht sogar soweit, dass sie als Beraterin an niedersächsischen Schulen unterwegs ist, um diesen zu zeigen, wie das klappen kann. Plattdeutsch ist für sie ein wichtiges Kulturgut. „Wenn wir nicht versuchen, die Sprache unseren Kindern weiterzuvermitteln, besteht die Gefahr, dass Plattdeutsch irgendwann ausstirbt“, sagt sie und sieht den Erfolg ihrer Bemühungen: „Die Kinder haben Spaß daran, viele machen in unserer Arbeitsgemeinschaft mit.“ Und auch von den Eltern gebe es regelmäßig gute Rückmeldungen. „Die Eltern freuen sich, dass wir Plattdeutsch am Leben erhalten.“

Die Bemühungen um den Erhalt der plattdeutschen Sprache sind auch zur Landesregierung durchgedrungen. „Seit 2009 investiert die Landesregierung Geld zur Förderung in den plattdeutschen Unterricht“, weiß Hieronimus. Mehr als 20 Berater sind wie sie niedersachsenweit unterwegs, um für einen Erhalt der Sprache zu kämpfen. Somit wird an vielen Schulen einmal pro Woche in einem Nebenfach sogar auf Plattdeutsch unterrichtet. Als Regionalsprache ist das Plattdeutsche fest im Lehrplan verankert. Zwar wird noch keine Mathematik auf Platt unterrichtet. „Das verstehen ja viele schon auf Hochdeutsch nicht“, schmunzelt Hieronimus, „aber in Nebenfächern wie Kunst oder Musik und natürlich Deutsch lässt sich die plattdeutsche Sprache wunderbar integrieren.“ Oder aber bei Aktionen wie dem plattdeutschen Vorlesetag, der sich an den Vorlesetag 2018 anschloss.

Aufgeteilt in vier Gruppen wechselten die Grundschüler aus Eversen dabei von Klassenzimmer zu Klassenzimmer. Dort warteten die ehrenamtlichen Vorleser, allesamt direkt aus dem Umfeld der Kinder und lasen aus plattdeutschen Büchern vor. Berührungsängste oder Verständigungsprobleme mit der Sprache suchte man vergebens. Am Anfang steht immer die Frage: „Wer von Euch spricht denn Platt?“. Die Finger der Grundschüler schnellen in die Höhe. Kaum ein Kind ist dabei, welches zugibt, kein Plattdeutsch zu können. Aus den Grundschülern sprudelt es heraus: „Ich bin in der Platt-AG“ oder „Ich spreche mit meinen Eltern Platt“. Die nächste Frage: „Und wer spricht zu Hause Platt?“. Das sind die Wenigsten und das ein oder andere Kind gibt betrübt zu: „Meine Großeltern können kein Plattdeutsch“.

Oft sind es Oma und Opa, die heutzutage mit den Enkeln Plattdeutsch sprechen oder zumindest noch versuchen, das Kulturgut an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Vorleserin Anette Weigelt selbst erzählt den Kindern, dass auch sie mit ihrem Enkel Plattdeutsch spreche. Horst Frieling und Wolfgang Stratmann erzählen den Kindern, dass sie zunächst nur Plattdeutsch gesprochen haben und Hochdeutsch erst lernen mussten, als sie in die Schule kamen. Das ist länger als 60 Jahre her und auch sie haben schon die Grundschule Eversen besucht, was bei den Kindern ein gewisses Erstaunen hervorruft. 60 Jahre, das ist für viele der heutigen Grundschüler sehr lang her, fast wie aus einer anderen Zeitrechnung. Damals allerdings war es auf dem Schulhof ganz normal, sich auf Plattdeutsch zu unterhalten. Die Bemühungen zum Erhalt der plattdeutschen Sprache werden an vielen Schulen, wie auch der Grundschule Eversen, mit viel Engagement vorangetrieben. Mit der Weiterbildungsmaßnahme „Niederdeutsch an Grundschulen“, einer Kooperation des Niedersächsischen Kultusministeriums, des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), der Niedersächsischen Landesschulbehörde und der Universität Oldenburg, werden seit dem Jahr 2014 Lehrkräfte mit keinen oder geringen Niederdeutschkenntnissen über zwei Jahre mit einem Rüstzeug ausgestattet, das ihnen den Unterricht in der Regionalsprache ermöglicht. Am 12. Februar 2016 sind erstmalig die erworbenen Zertifikate übergeben worden, unter anderem auch an die Grundschule Eversen.

Platt Alltag im Dorfleben

Auch wenn die Kinder den plattdeutschen Vorlesetag durchaus toll finden, sie sind sich nicht ganz einig, ob sie öfter Geschichten auf Plattdeutsch hören wollen. Fast wirkt es so, als sei für sie Plattdeutsch eben nichts Außergewöhnliches, sondern ganz normal. Für die Kinder an diesem Tag viel entscheidender ist auch, welche der gehörten Geschichten denn nun die beste war. Aber auch da können sich die Kinder nicht wirklich einigen. Eigentlich gefielen ihnen alle Geschichten. Die Bücher dazu stammen übrigens alle aus der schuleigenen Bücherei, denn auch dort gibt es natürlich eine große Sammlung plattdeutscher Bücher. Plattdeutsch ist an der Grundschule Eversen eben etwas ganz Alltägliches.

Von Birgit Stephani

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