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Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Dem
18:57 05.01.2014
Das „Ensemble Melange“ - im Stadthaus Bergen. Quelle: Alex Sorokin
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Mit gemischten Gefühlen verfolgten die rund 180 Zuhörer das Neujahrskonzert des Kulturkreises Bergen am Sonnabend im Berger Stadthaus. Dort waren das auf Caféhaus-Musik ausgerichtete „Ensemble Melange“ und die Gesangsolistin Marion Costa (Sopran) aus Hannover zu Gast.

Das Publikum, so hatte das Ensemble für sich geworben, könne sich freuen auf „ein riesiges Repertoire an wohlklingenden Melodien, die einst im Caféhaus weltberühmt wurden“. Und so lehnten sich die Zuhörer erwartungsvoll zurück, um sich mitnehmen zu lassen in „die gute alte Zeit“.

Zwischen Puszta-Fox und Tango, zwischen Dmitri Schostakowitschs „Second Waltz“ und dem Operettenwalzer „Komm mit mir ins Chambre séparée“ aus Richard Heubergers „Opernball“, zwischen Henry Mancinis „Charade“ und Paul Linckes „Folies-Bergère-Marsch“ servierte das bestens aufeinander eingespielte Quartett mehr oder weniger populäre Evergreens aus den 20er, 30er und 40er Jahren. Und auch die aus dem Opernfach kommende Sängerin wusste zumindest stimmlich zu überzeugen, etwa mit „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ aus dem „Weißen Rössl“ oder dem Liebeslied „Tonight“ aus der „West Side Story“. Aber den Ensemble-Darbietungen fehlte es an Temperament und Leidenschaft, an weichem Schmelz und träumerischem Pathos, an Esprit und Frische, an aufgeschäumtem Sound im eleganten Klangfluss.

Zudem wollten auch die von Marion Costa kunstvoll vorgetragenen Melodramen und ernsthaften Kunstlieder wie Wolfgang Amadeus Mozarts „Veilchen“ und Franz Schuberts „Forelle“ nicht so recht in dieses Programm passen und führten immer wieder zu einem Stimmungsumbruch im Publikum.

Die Zuhörer warteten spürbar darauf, in irgendeiner Weise „mitgenommen“ zu werden. Doch das Mitklatschen erstarb in der mitunter wechselnden Rhythmik der Eigenbearbeitungen ebenso schnell wie das bisweilen zaghaft aus den Reihen zu hörende Mitsingen („Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“), etwa beim Potpourri aus „My Fair Lady“. Bei „Es grünt so grün“ nämlich und „Mit ’nem kleenen Stückchen Glück“ oder auch bei „Wochenend und Sonnenschein“ fand sich das Publikum in der vertrauten Klangkulisse wieder, die man überwiegend erhofft und erwartet, aber bei vielen anderen Programmpunkten vermisst hatte.

Und auch die angekündigte „witzige Darbietung“ des Programms blieb weitgehend aus. Allein der humorige Hinweis des Geigers Viktor Gazda, der angesichts des draußen vorherrschenden Wetters verkündete, statt des geplanten „Schneewalzers“ sei das Lied „Unter einem Regenschirm am Abend“ neu ins Programm aufgenommen worden, sorgte für Erheiterung. Rolf-Dieter Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl