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Bergen Stadt Ehrenamtliche helfen bei Sanierung der Berger St.-Lamberti-Kirche
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Ehrenamtliche helfen bei Sanierung der Berger St.-Lamberti-Kirche
13:13 27.02.2015
Von Karin Dröse
Schmirgeln, Streichen und dann ein gemeinsames Frühstück für die Ehrenamtlichen, die die Kirchenbänke der St.-Lamberti- - Kirche aufarbeiten.  Quelle: Karin Dröse
Bergen Stadt

Wenn das Geld knapp ist, dann ist Kreativität gefragt. Ein gutes Beispiel dafür ist die St.-Lamberti-Kirche in Bergen. 600.000 Euro kostet die Renovierung des Kircheninnenraumes. Dafür ist die Gemeinde zuständig. „200.000 Euro kommen vom Kirchenkreis, den Rest müssen wir selbst aufbringen“, sagt Pastor Axel Stahlmann. „Bevor die Renovierung begann, wurde ein Kostenplan aufgestellt und realistisch überlegt, welche Eigenleistungen möglich sind.“ Die Kirchenbänke aus- und einzubauen, sie aufzuarbeiten und neu zu streichen, daran wird derzeit fleißig gearbeitet. Im Ausstellungsraum und in der Werkstatt des Autohauses Sternpartner sind an einem Donnerstagmorgen neun Männer und zwei Frauen im Einsatz.

In der Werkstatt werden nicht Autos lackiert, sondern Kirchenbänke von alten Lackresten befreit und schadhafte Stellen ausgebessert. Staub und Lärm sind nicht zu vermeiden. Die Helfer stört das nicht, denn sie sind mit Gehörschutz und Atemschutzmaske ausgerüstet. Pastor Stahlmann in Arbeitskluft rollt zusammen mit Helferin Martina Rosenau eine abgeschmirgelte Bank in die provisorische Lackiererei. Dort ist Angelika Weide, im Hauptberuf Bäuerin, dabei, eine Bank zu streichen. Einmal pro Woche hilft sie einen Vormittag lang, wohlgemerkt, nachdem auf dem heimischen Hof zuvor Kühe gemolken und Kälber getränkt worden sind. „Ich mag es, wenn ich es mit Menschen zu tun habe, und helfe gerne bei der Kirchenrenovierung, denn hier haben sich viele toll eingebracht“, sagt Weide, die auch im Kirchenvorstand und im Posaunenchor ihrer Gemeinde aktiv ist. „Die Berger stehen zu ihrer Kirche“, betont Hans-Gerhard Ahrens, gelernter Radio- und Fernsehtechniker, der akkurat Klarlack auf die Fußbänke streicht. Und das ehrenamtliche Renovierungsprojekt zeigt, dass die Berger zu ihrer Kirche stehen, selbst wenn sie nicht Mitglied sind. „Viele, die ausgetreten sind, packen trotzdem mit an“, freut sich Stahlmann.

Fachkräfte sind gefragt, denn die Renovierung soll sorgfältig und gründlich sein. Deshalb hat sich der Pastor in seiner Stadt gezielt nach ausgebildeten Malern umgesehen. Irgendwie ist er dabei auch auf Hans-Dieter Henning gestoßen. Er greift zum Pinsel und färbt Bänke der evangelischen Kirche mit einem warmen Grauton. Dass er Katholik ist, stört ihn nicht: „Wir haben nur einen Gott“, sagt er und prüft den frischen Anstrich. Horst Brammer ist Rentner und Malermeister. Einmal in der Woche ist er von 9 bis 13 Uhr in der Autohalle zu finden, genauso wie der ehemalige Finanzbeamte Jürgen Spitzer, der zu Hause immer für Renovierungsarbeiten zuständig ist. Beide haben Freude am Einsatz für die Kirche und Spaß im Team. „Ich bekomme fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal nicht kann“, sagt er. „Guten Morgen, Herr Stahlmann, habe ich beim ersten Mal gesagt. Nee, nee, ich bin der Axel, hat er gesagt.“ Das kommt gut bei den Helfern an: „Ich bewundere ihn dafür, wie er die Fäden in der Hand hat“, sagt Spitzer. Nach einem Unfall sei der Pastor bald darauf mit Krücken auf seiner Kanzel gewesen. Die Freiwilligen schätzen ihren Pastor, tun es aber für ihre Kirche und dafür, dass die Konfirmation des Enkels im frisch renovierten Gotteshaus gefeiert werden kann.

70.000 Euro spart die Kirche dadurch, dass so viele helfen. Und während der Geruch von frischer Farbe den Raum füllt, wird das Frühstück angeliefert. Bald zieht Kaffeeduft durch den Raum und belegte Brötchen liegen auf einem Gartentisch bereit. „Eine halbe Stunde Pause für ein gemeinsames Frühstück, das ist wichtig“, sagt Stahlmann und schenkt den Helfern Kaffee ein. Die Kirche wird auch von Firmen unterstützt, die Arbeitsleistung spenden oder Fahrzeuge oder Gerät zur Verfügung stellen. Auch beim Einbau des neuen Bankheizsystems kann Stahlmann auf Hilfe zählen. Dass so viele freiwillig helfen, liegt an Pastor Stahlmann, meinen die Ehrenamtlichen. „Wenn ihr nicht mitziehen würdet, ginge es nicht“, gibt der zurück. Und er lobt den Kirchenvorstand, der den Mut hatte, das Großprojekt anzugehen. Karin Dröse