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Bergen Stadt Eier-Skandal? Selbst ist der Hühnerhalter!
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Eier-Skandal? Selbst ist der Hühnerhalter!
22:06 03.08.2018
Von Audrey-Lynn Struck
Der Berger Hühnerzüchter Dieter Sobczak mit einem New-Hampshire-Hahn auf dem Arm: Auf seinem Hof hält er etwa 40 Hähne und 110 Hennen – da möchte er keine Supermarkteier mehr essen. Quelle: Oliver Knoblich
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Dieter Sobczak aus Bergen lässt der Eier-Skandal kalt. Denn der 73-Jährige ist passionierter Hobbyhühnerhalter. Seit Jahrzehnten hält er auf seinem Hof selbst Hühner und ist seit zehn Jahren auch erfolgreich in der Züchtung aktiv. „Wer einmal frische Eier gegessen hat, will nie wieder welche aus dem Supermarkt kaufen“, sagt er. Wem Insektengift in Hühnereiern ebenfalls den Appetit auf Supermarkteier verdorben hat, für den hat der Berger Tipps parat, um unabhängig zu werden. Selbst ist der Hühnerhalter ist das Motto.

Die Liebe zum Federvieh entwickelte Sobczak von Kindesbeinen an. Damals hielten sein Vater und Großvater Hühner, damit „die Kinder auch mal sehen, wie ein Ei gelegt wird“. Mittlerweile hat der Berger diese Tradition nicht nur weitergeführt, sondern auch an seine vier Enkel weitergegeben. Diese haben bereits zwei eigene Hühnerrassen, die auf dem Hof ihres Großvaters untergebracht sind.

Weiße Sussex-Hühner waren die erste Rasse, die der 73-Jährige selbst gehalten hat. Inzwischen hat er seine Schar um zwei weitere Rassen erweitert. Zum einen durch mittelschwere Haushühner mit meist goldbraunem Gefieder, die unter dem Namen New Hampshire bekannt sind. Zum anderen durch die Rasse Australorps, die schwarzes Gefieder hat und ebenfalls zu den Haushühnern zählt. Diese beiden Rassen eignen sich hervorragend für den Selbstversorger. Sie sind pflegeleicht und haben eine sehr gute Legeleistung inklusive schwerer Eier. Allerdings: Ein Huhn legt in der Regel nicht jeden Tag ein Ei, sondern nur alle zwei Tage.

Sobczak beherbergt etwa 40 Hähne und 110 Hennen. Die Auslauf-Flächen sind von einem hohen Zaun umgeben – damit der Fuchs sich nicht an seinen Hühnern vergreifen kann. Außerdem ist das Federvieh zum Teil mit einem dünnen Gitternetz auch vor Feinden aus der Luft wie dem Habicht geschützt.

Bei einer so großen Hühnerschar muss auf deren Gesundheit geachtet werden. Denn ist erstmal eines infiziert, kann die Krankheit schnell auf einen Großteil der Herde übertragen werden. Deshalb müssen die Hühner nicht nur viermal im Jahr geimpft werden, sondern Sobczak muss auch in die Sauberkeit des Stalles investieren. Damit sich die Tiere selbst vor Krankheitserregern wie Milben schützen können, „baden“ sie in extra aufgeschütteten Sandkuhlen.

Der Berger Züchter freut sich nicht nur, mit seinen Hühnern auf Ausstellungen zahlreiche Preise zu gewinnen, sondern auch seine Leidenschaft mit anderen zu teilen. Er hält in seinem kleinen Hühnermuseum Exponate bereit, die seine Vorträge vor Schulklassen bereichern. Doch nicht nur die Jungen freuen sich über den tierischen Kontakt, Sobczak besucht zusammen mit Hühnern und Küken auch zweimal im Jahr ein Altenheim in Bergen. Sehr zur Freude der Senioren wie Sobczak erzählt: „Mitunter sammeln sich Tränen in ihren Augen und sie erzählen, dass sie meine Hühner an ihre Kindheit erinnern. Da muss man selbst fast weinen.“