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Bergen Stadt Familie aus Bergen in Sorge: Viggo soll das Leben unter Kängurus lernen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Familie aus Bergen in Sorge: Viggo soll das Leben unter Kängurus lernen
23:21 03.08.2018
Von Christoph Zimmer
Benjamin Müller und Sohn Robin hoffen, dass Känguru Viggobei der Familie aus Bergen bleiben darf. Quelle: Christoph Zimmer
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Wo ist ein praktisch nur unter Menschen aufgewachsenes Känguru am Besten aufgehoben? Auf diese Frage hat der Landkreis eine einfache Antwort. Viggo soll bis zum 15. Oktober mit mindestens einem weiteren Känguru vergesellschaftet werden und mit diesem Exemplar permanent Kontakt haben. Grundlage für diese Anordnung seien ein amtstierärztliches Gutachten und das Tierschutzgesetz, teilt die Behörde auf Nachfrage der Celleschen Zeitung mit. Es werden Maßnahmen angeordnet, von denen der Landkreis „fachlich dahin gehend überzeugt ist, dass es dem Wohl des Tieres zuträglich ist“.

Benjamin Müller sieht das anders. Gemeinsam mit seiner Partnerin hat er Viggo mit der Hand aufgezogen.„Es bringt nichts, Viggo nach zwei Jahren zu vergesellschaften. Er ist an Menschen gewöhnt und nicht an andere Tiere. Er wäre völlig überfordert, würde die Nahrung verweigern und nach zwei Monaten eingehen“, ist er sich sicher. Dies hätten ihm nach eigener Aussage auch kontaktierte Zoologen aus Hamburg und München bestätigt.

Es gibt aber noch weitere Mindestanforderungen an die Haltung eines Kängurus, die die Familie laut Landkreis derzeit nicht erfüllt. Dazu zählt auch die Ausgestaltung der Gehegefläche. Müller möchte deshalb den Garten des Reihenhauses in Bergen, in dem Viggo gehalten wird, neben dem vorhandenen Stall mit weiteren Rückzugsmöglichkeiten wie Baumstämmen und Kunstfelsen ausgestalten und die Fläche mit Büschen begrenzen, wie es der Landkreis fordert. Auch den entsprechenden Sachkundenachweis zur Haltung eines Kängurus möchte er einreichen. „Und mit einem Fachtierarzt sind wir auch in Kontakt“, sagt Müller.

Es gibt aber eine Anforderung, die Müller und seine Familie nicht erfüllen können. Laut dem Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren beträgt der Raumbedarf für bis zu fünf Tiere mindestens 200 Quadratmeter – die der Familie zur Verfügung stehende Gehegefläche im Garten beläuft sich aber nur auf knapp 150 Quadratmeter. „Das können wir auf unserem Grundstück nicht erfüllen“, sagt Müller. Er und sein Rechtsanwalt hoffen nun auf eine Einigung mit dem Landkreis. „Die genannten Auflagen haben sicher Sinn und Zweck. In dem konkreten Fall aber nicht. Das Tier ist so sehr an die Familie gewöhnt, dass die geforderten Maßnahmen auf ein adäquates Maß reduziert werden sollten“, sagt der auch im Tierschutz engagierte Rechtsanwalt Thomas Saschenbrecker aus Ettlingen bei Karlsruhe.

Falls die Anforderungen nicht erfüllt werden und es auch zu keiner anderen Einigung zwischen der Familie und dem Landkreis kommt, kann die Behörde die Haltung des Tieres untersagen und die Abgabe von Viggo anordnen – bei Bedarf mit Zwangsmitteln.

Müller hofft, dass es soweit nicht kommt. Für den Ernstfall kann er sich auch vorstellen, dass Viggo bei einem Tierfreund oder in einem Tierpark mit anderen Kängurus in der Region unterkommt. „Vielleicht gibt es auch jemanden, der eine entsprechende Gehegefläche zu vermieten hat“, sagt Müller. „Wir wollen alles dafür tun, dass es Viggo gut geht.