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Bergen Stadt Familie belastet Freund schwer
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Familie belastet Freund schwer
18:13 06.11.2018
Quelle: Christian Link
Bergen

Vater und Schwester des Opfers bezeichneten den 21 Jahre alten Michael G. am zweiten Verhandlungstag des Prozesses am Landgericht Lüneburg am Montag als krankhaft eifersüchtig. Zunächst sei G. freundlich und zuvorkommend gewesen, sagte der 52 Jahre alte Vater. Während der zweijährigen Beziehung, beide lernten sich auf dem Christian-Gymnasium in Hermannsburg kennen, habe sich sein Verhalten dann aber langsam verändert. „Er interessierte sich für ihre Chats und deren Verläufe“, sagte der Erzieher aus Hermannsburg. „Es wurde immer schräger. Die erhobenen Vorwürfe waren so absurd. Sie war ihm hörig“, schilderte der Vater und rang nach Luft.

Am frühen Abend des 20. März hatte der Vater seine Tochter am Elternhaus des Angeklagten in Bergen abgesetzt. Dort soll G. die junge Frau getötet haben. Polizisten entdeckten die grausam verletzte Tote später im Badezimmer. Der Angeklagte soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zunächst mit seiner Partnerin LSD konsumiert haben. Dabei soll er in einen psychotischen Zustand geraten sein und mehrfach zugestochen haben.

Angeklagt ist G. wegen Vollrauschs in Tateinheit mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Für den Tod der Hermannsburgerin selbst sei er nicht zu bestrafen, heißt es in der Anklage. Es sei nicht auszuschließen, dass er schuldunfähig war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich vorsätzlich in einen Rausch versetzt und in diesem Zustand einen Totschlag begangen zu haben. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Gefängnisstrafe von maximal fünf Jahren.

In der Trauer um seine getötete Tochter stellte der Vater bei Gericht einen Antrag auf Besuchserlaubnis, um mit dem Freund im Gefängnis zu sprechen. „Ich wollte ihn dazu bewegen, dass er aussagt. Die Polizei erzählte uns nichts. Wir wollten wissen, was passiert ist“, sagte er. Allerdings lehnte die Kammer den Wunsch ab.

Die 22 Jahre alte Schwester des Opfers verband nach eigener Aussage zunächst ein großes Vertrauensverhältnis mit dem Angeklagten. „Ich habe ihn anfänglich als sympathischen und offenen Menschen kennengelernt. Ja, ich hatte ein gutes Gefühl“, sagte sie. Eifersüchteleien habe es in der Beziehung zwar hin und wieder gegeben, ab Herbst 2017 habe sich die Situation verschärft. „Das hat uns emotional fertiggemacht. Michael wollte die totale Kontrolle und bezeichnete meine Schwester als Nutte“, sagte die Schwester.

Nach einer Party in Celle im Februar sei G. völlig ausgerastet und habe ihrer Schwester eine Liebesbeziehung zu einem anderen Mann unterstellt, sagte die Schwester des Opfers. Dabei habe sie den Gastgeber lediglich gefragt, wo die Toilette sei. „Sie veränderte sich danach und nahm ihn sogar noch in Schutz“, so die 22-Jährige. „Sie sah in ihm ein Opfer.“ Als sie davon erfuhr, dass ihre Schwester mit ihrem Freund schon einmal LSD genommen haben soll, sei sie „total schockiert“ gewesen. „Drogen spielten bis dahin nie eine Rolle. Sie war eine fleißige Schülerin.“

Die beste Freundin des Opfers beschrieb G. ebenfalls als rasend eifersüchtig. Sie sei isoliert und verzweifelt gewesen, sagte sie. Bei einem Anruf habe ihr das Opfer berichtet, dass G. sie durch die Wohnung gejagt, sie angeschrien und mit den Armen vor ihr herumgefuchtelt habe. „Ich habe ihr gesagt, dass das mit der Eifersucht doch krank ist. Sie wollte sich sogar eine Glatze schneiden lassen, um nicht mehr attraktiv auszusehen“, schilderte die 19 Jahre alte Frau. Am Ende habe sie selbst geglaubt, dass sie mit dem Gastgeber der Party eine Beziehung habe, wie ihr Freund es ihr eingeredet hatte.

In Bergen habe G. einer Frau eine Ecstasypille verkauft, führte die Freundin aus. „Das habe ich gesehen.“ Als sie ihrer Freundin davon erzählte, habe sie erwidert: „Normal ist das nicht“. Aber er wisse, was er tue. Ob der Angeklagte auch Drogen verkaufte, ist bislang unklar. Fest steht, dass die Polizei in seinem Elternhaus einen Aufzuchtraum für Cannabispflanzen entdeckte. Nach eigener Aussage gab G. monatlich rund 700 Euro für Drogen aus. Die eigenen Großeltern aus Kaliningrad hätten ihm für den Lebensunterhalt aber nur rund 100 Euro pro Monat überwiesen.

In einer zu Prozessbeginn von ihm verlesenen Erklärung berief sich der junge Mann auf einen „Filmriss“. Als er wieder zu sich gekommen sei, hätte er überall Blut gesehen. Den Tod der Freundin habe er zunächst nicht wahrhaben wollen. Auch er war verletzt, die Polizei fand in allen 17 Räumen des Hauses entsprechende Blutspuren von ihm.

Der aus Usbekistan stammende Mann war zunächst zu seiner nach Russland gereisten Familie geflohen. Von unterwegs rief er bei der Polizei an. Als die Fahndung angelaufen war, kündigte er seine Rückkehr an und wurde an der polnischen Grenze festgenommen. „Ich wollte nach Deutschland zurück und der Polizei helfen, in Erfahrung zu bringen, was passiert ist“, sagte G. Als der Mann der Celler Polizei überstellt wurde, entdeckten Beamte bei ihm ein Notizheft mit vermeintlichen Erinnerungen. „Sie war kalt und lag in der Wanne, habe warmes Wasser auf ihren Körper laufen lassen. Alles war blutverschmiert. Ich dachte an einen Traum. Es fing alles an zu drehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das war“, heißt es dort. „Blutend habe ich das Haus verlassen, schnappte mir den nächsten Flieger. Auf der Reise verlor ich mehrere Male das Bewusstsein.“ Eine Stewardess der polnischen Airline, mit der G. nach Danzig flog, wo ihn sein Vater abholte, erinnerte sich während der Ermittlungen gegenüber einem Dolmetscher an den Angeklagten. Er habe sich merkwürdig verhalten, sein Gesicht mit der Kapuze abgedeckt, sagte sie. „Die beiden Handgelenke waren bandagiert.“

Kurz vor dem Ende des Verhandlungstages konfrontierte der Vorsitzende Richter Thomas Wolter den Angeklagten mit dem Chatverlauf zu einer früheren Freundin aus Nienburg. Demnach sei die Beziehung zu Ende gegangen, weil G. ihr mit dem Tod gedroht haben soll. Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

Von Benjamin Reimers

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