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Bergen Stadt Gags nahezu im Sekundentakt
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Gags nahezu im Sekundentakt
05:40 08.08.2018
Der Brief mit der fingierten Einladung trifft ein, die Verwicklungen beginnen. Quelle: Udo Genth
Bergen Stadt

Der Vorsitzende des Kulturkreises Bergen, Heinz-Jürgen Hamann, war sehr zufrieden. Das von seiner Gemeinschaft nach Bergen geholte „Ohnsorg-Theater“ hatte außerordentlichen Anklang gefunden. Mehr noch: mit 300 Zuschauern war das Bergener Stadthaus am Freitagabend restlos ausverkauft.

Das Stück, mit dem das Ensemble auftrat, hieß „De Floh in‘t Ohr“. Es stammt aus der Feder des französischen Stückeschreibers Georges Feydeau und hatte im März 1907 in Paris seine Premiere. Der Inhalt ist einfach: eine Frau vermutet, ihr Ehemann betrüge sie. Sie will ihn auf die Probe stellen und schickt ihm einen Brief mit einer Verabredung. Der Brief fällt jedoch in falsche Hände und die Verwicklungen nehmen ihren Lauf.

So originell ist das alles nicht, sondern diese Ausgangslage bildet die Grundlage für viele ganz ähnliche Stücke, und sogar in Mozarts „Cosi fan tutte“ gibt es Anklänge daran zu erkennen. Hier allerdings kommt hinzu, dass zwar die Handlung unverändert zum Original zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, die Sprache jedoch ins Plattdeutsche transponiert wurde. Das beschert dem Kenner einige im Wortwitz liegende lustige Momente, macht die Handlung jedoch schwer verständlich.

Deren Ablauf ist nämlich außerordentlich rasant, die Gags fallen nahezu im Sekundentakt, die handelnden Personen stehen scheinbar ständig unter Dampf und allein der Hauptdarsteller Till Huster in seiner Doppelrolle erntete schon Applaus für sein schnelles Umziehen. Alle ist alles herrlich überdreht, unwahrscheinliche Zufälle treffen im Stakkato aufeinander, dass es nicht einfach ist, den Handlungsabläufen zu folgen. Diese Schnelligkeit mag ein Grund gewesen sein, dass in der Pause einige Zuhörer klagten, sie würden rein akustisch zu wenig verstehen.

Im Programmheft war der Satz zu finden: „Für Georges Faydeau war Theater ein Bild des wirklichen Lebens…“ Das ist bei diesem Stück nun ganz und gar nicht der Fall, vielmehr ist hier Theater zu bewundern mit seinen konstruierten szenischen Abläufen, die weitgehend durch Zufälligkeiten bestimmt werden. Dennoch – selten zeigt das Publikum im Bergener Stadthaus offenkundig so viel Vergnügen wie bei diesem Schwank.

Die Leistungen der Schauspieler zu bewerten, ist überflüssig. Das gesamte Ensemble des Ohnsorg-Theaters spielte hinreißend, warf sich routiniert die Bälle zu und bewies einmal mehr seine hohe Professionalität. Diese geschlossene Leistung wurde ebenso wie die schauspielerische Darstellung mit starkem Schlussbeifall belohnt – zu Recht.

Von Udo Genth