Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Bergen Stadt Geschichten von Häusern auf Ständern und mit Türmchen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Geschichten von Häusern auf Ständern und mit Türmchen
12:53 27.02.2015
Das von Otto Haesler erbaute Haus an der Harburger Straße. Quelle: Udo Genth
Bergen Stadt

Wrogemann ist Bergener, obwohl er in Celle geboren wurde. Das allerdings sind viele Bewohner der Stadt, selbst wenn damals, also 1937, sogar ein Krankenhaus in Bergen vorhanden war. Er hat Landwirt gelernt und in der Landwirtschaft gearbeitet. Als Mitte der 1950er Jahre die Mechanisierung auf dem Lande Einzug hielt, wurde es für viele Landwirte schwerer, ihren Betrieb ertragreich zu erhalten. Der Entschluss, den Hof als Nebenerwerb zu führen, war weit verbreitet. Auf Grund einer solchen Überlegung wechselte Helmut Wrogemann 1975 zur Post und hielt ihr bis zu seinem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben 25 Jahre lang die Treue.

Helmut Wrogemann erinnert sich, dass ihm sein Vater viel erzählt hat. „Ich habe immer gut zugehört“, sagt er. Daher komme sein Interesse an historischen Dingen. Das betrifft besonderes die Geschichte des Ortes Bergen, der heute die Innenstadt ausmacht. Über viele Häuser kann er berichten. Gelegentlich führt er Besucher durch Bergen und plaudert locker, aber kenntnisreich über die eine oder andere Besonderheit, gelegentlich vermengt mit kleinen Anekdoten. Fast folgerichtig engagiert sich Wrogemann im Heimatverein Bergen und Umgebung, dessen zweiter Vorsitzender er ist.

Wrogemann wohnt in einem Haus, das vom Typ her in Bergen verbreitet ist. Es handelt sich dabei um ein Doppelhaus. Diese Bauart, zwei Häuser zusammen auf einem Grundstück zu errichten, war in früheren Zeiten oft anzutreffen. So konnte preiswert gebaut werden, weshalb dieses Muster ebenso in anderen Orten oder Regionen verbreitet war. „Ursprünglich waren das hier zwei Häuser“, erzählt Helmut Wrogemann über sein jetziges Domizil in der Henriettenstraße 2. Nach altem Brauch wurden die Hausnummern nach dem Datum der Fertigstellung vergeben, weshalb die linke Haushälfte die Nummern 70 bekam und die rechte die Nummer 88 führte. Die hatte Wrogemanns Ur-Urgroßvater 1876 gekauft, als er von Außerhalb nach Bergen zog. Damals herrschten noch strenge Bräuche: Die Orts-Oberen erteilten die Erlaubnis zum Zuzug nur auf Antrag und nach der Stellung von Bürgen. 1932 wurden beide Haushälften dann vereinigt, heute bietet durch die Verlegung der Eingänge und die Fassade das Gebäude ein einheitliches Bild. An der Celler Straße sind mehrere Doppelhäuser zu erkennen, ebenso an der Bahnhofstraße, Schulstraße und Lukenstraße.

In Bergen stehen noch einige Häuser, die für die hiesige Region als typisch angesehen werden können. Da ist das so genannte Zwei-Ständer-Haus zu nennen. Dieser Baustil heißt so, weil der Dachstuhl auf zwei innenliegende Balkenreihen aufgeständert ist. Die Außenmauern sind eigentlich nur vorgesetzt und bilden kein tragendes Teil. In dieser Bauweise ist das Römstedthaus ausgeführt. Es steht am Friedensplatz und geht auf einen Gebäude aus dem 15. Jahrhundert zurück. Heute beherbergt es das Bergener Heimatmuseum. Als Weiterentwicklung mag das Vier-Ständer-Haus gelten. Hier wurden die beiden äußeren Balkenreihen noch zusätzlich zum Tragen des Dachstuhls herangezogen. Leimers Hof in der Lukenstraße 3 ist ein Muster dafür.

Auffallend sind Häuser mit Türmchen, von denen es in Bergen drei gibt. Ihnen war gemeinsam, dass sie jeweils einen Kolonialwarenladen, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts hießen, beherbergten und an der B3 liegen. Helmut Wrogemann zeigt sie auf: Da ist das Haus in der Harburger Straße 14, dessen Altbau im Jahre 1875 errichtet wurde. Ebenfalls an der Harburger Straße, an der Ecke zur Römstedtstraße, steht das Haus, dessen Vorbau von 1927 ein besonders schlankes Türmchen aufweist. Dieses Haus fällt durch die Bauart wie gleichermaßen seine Farbe den Durchfahrenden gleich ins Auge. Das dritte Haus mit Türmchen ist das nach seinem früheren Besitzer benannte Hellberg-Haus an der Celler Straße 28, wo sie von Wiesenstraße und Kärrnerstraße gekreuzt wird. Es ist ebenfalls auffällig durch seine gelbe Fassadenfarbe, die einen starken Kontrast zum dunkelbraunen Fachwerk und dem roten Mauerwerk bildet. Der Altbau sei im Jahr 1825 erfolgt, weiß Wrogemann zu berichten.

Weist der Stadtkern von Bergen noch mehrere Häuser aus länger zurückliegender Zeit auf, so sticht ein Haus, das an der Harburger Straße 17 steht und 1908 errichtet wurde, heraus. Grund dafür ist nicht nur das dunkle Fachwerk mit den weißen, grün abgesetzten Fächern des Obergeschosses. Vielmehr ist es ein Beispiel für die frühen Arbeiten des Architekten Otto Haesler. Seit 1993 ist dieses als Baudenkmal klassifizierte und mit einem entsprechenden Schild versehene Gebäude im Besitz des Malermeisters Eberhard Brammer.

Udo Genth

Von Udo Genth