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Bergen Stadt Gewerkschaft Verdi kritisiert Briten
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Gewerkschaft Verdi kritisiert Briten
11:37 07.08.2018
Der Standort Bergen Hohne soll 2015 von den Briten aufgegeben werden. Quelle: nicht zugewiesen
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Wie Regina Stein, Landesfachbereichsleiterin Bund und Länder, sagte, teile sie die Einschätzung „dass die Briten derzeit die Zügel anziehen”. So hat sie nach eigenem Bekunden derzeit Kenntnis von zwei Abmahnungen gegenüber Mitarbeitern, die „ich absurd finde”. Verdi vertritt in Bergen-Hohne nach ihren Angaben etwa 160 Beschäftigte. Sie vermutet, dass Mitarbeiter mit dem Druck „ermutigt” werden sollen, ihren Job frühzeitig aufzugeben oder andere mit dieser Vorgehensweise eingeschüchtert werden sollen. Der Vertreter der zivilen Beschäftigten in Bergen-Hohne, Harald Wiesing, teilt zwar die Einschätzung, dass die Zügel angezogen worden sind, „es handelt sich dabei aber keinesfalls um Mobbing”. An diesen Gerüchten sei nichts dran. Bisher verzeichnet das Arbeitsgericht in Celle auch keine erhöhte Fallzahl. Das liegt nach Einschätzung der Gewerkschaft daran, dass es bis zu einem Gerichtsverfahren zunächst betriebsinterne Schritte gibt, die einen gewissen Vorlauf haben.

Verdi kritisiert im Zuge der jetzigen Abzugspläne aber nicht nur den Umgang mit den Mitarbeitern, sondern auch eine Entscheidung, die bereits 2011 gefallen ist. Damals wurde die Gebäudeunterhaltung ausgelagert und die Mitarbeiter in die Babcock Support Services GmbH verschoben. Wer sich weigerte dorthin zu wechseln, wurde entlassen. „Ab dem Zeitpunkt der Privatisierung war uns allen klar, dass die Briten bald abziehen und es nur um Kosteneinsparungen geht. Da wurden viele Lügen aufgetischt. Viele der Mitarbeiter ballen immer noch die Faust in der Tasche”, sagt einer, der mit der Situation damals sehr gut vertraut war.

Für Unmut hatte damals auch gesorgt, dass der Mitbewerber Hoch-Tief aus Sicht einiger das bessere Angebot für den Auftrag vorgelegt hatte. Ein Hoch-Tief-Sprecher sagte dazu lediglich, dass ein sehr „attraktives Rundum-Sorglos-Paket angeboten wurde und wir natürlich enttäuscht waren, dass wir uns damit nicht durchgesetzt haben. Entscheidung von Interessenten haben wir aber nicht zu kommentieren.”

Das macht aber die Gewerkschaft Verdi. Landesfachbereichsleiterin Regina Stein spricht von einer „intransparenten Vergabe”. Zudem sei es in einigen Fällen zu Schwierigkeiten bei einer Betriebsratsgründung gekommen, allerdings nicht in Bergen-Hohne. „Diese Auslagerung war auf jeden Fall die Vorbereitung zum Ausstieg. Was sonst soll es bedeuten, wenn man ausgründet”, fragt Stein rethorisch.

Die Pressesprecher der britischen Streitkräfte wollten die Vorwürfe der Gewerkschaft auf CZ-Anfrage nicht kommentieren. Nach den bisher veröffentlichten Plänen werden die britischen Truppen 2015 den Standort Bergen-Hohne verlassen. Danach werden sich nach Einschätzung des Mitarbeiter-Vertreters Harald Wiesing bis zu 85 Prozent der gut 450 Zivilbeschäftigten am Standort Bergen-Hohne einen neuen Job suchen müssen. Viele der länger Beschäftigten bekommen über einen speziellen Tarifvertrag Überbrückungshilfen. Für die ausgelagerten Kollegen gelten diese Hilfen aber natürlich nicht mehr. Tore Harmening

Von Tore Harmening