Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Bergen Stadt Gnade für säumige Zahler
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Gnade für säumige Zahler
16:33 08.02.2012
Bergen Stadt

Mit fast 70 Euro steht jeder Hambührener bei der Gemeinde in der Kreide - aber nur theoretisch. Praktisch stehen die großen Schuldner in den Reihen der Gewerbesteuerzahler, 662.800 Euro der Forderungen von insgesamt 703.000 gehen an ihr Konto, berichtet Bürgermeister Thomas Herbst.

Im ganzen Landkreis Celle fehlen größere oder kleinere Summen in den Kassen. Grund, über die Zahlungsmoral der Einwohner zu murren sehen die Verwaltungschefs dennoch nicht: „Der Großteil ist gestundet“, gibt Herbst zu bedenken.

Auch wenn die Werte gemessen an der Einwohnerzahl der Gemeinde vergleichbar werden, um eine echte Pro-Kopf-Verschuldung handelt es sich nicht, betont Wolfgang Klußmann, Bürgermeister in Wietze. Den großen Anteil haben die Gewerbesteuern, besonders hohe Forderungen haben Gemeinden mit vielen Unternehmen, Habighorst und Beedenbostel haben ihre Außenstände mit rund 12.000 und 15.000 Euro fast beisammen. „Die Kommune ist schlecht beraten, ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern in den Konkurs zu schicken“, begründet Wolfgang Grube, Bürgermeister der Samtgemeinde Wathlingen, die Stundungen. Konkrete Zahlen stellten Samt- und Mitgliedsgemeinden Wathlingens nicht zur Verfügung.

Auffällig ist der Fehlbetrag in der Gemeinde Lachendorf - fast 375.000 Euro fehlen, knapp 65 Euro pro Kopf; aber nur 413.000 Euro beträgt das Haushaltsdefizit. Gemeindedirektor Jörg Warncke gibt zu bedenken, dass die Verwaltung die Schulden nicht einfach eintreiben kann: „Kommt jemand in wirtschaftliche Schwierigkeiten, ist die Stundung zu gewähren.“

Auffallend gering sind die Bürgerschulden in Winsen bei knapp 14 Euro pro Einwohner. Ins Auge stechen die Forderungen aus der Obdachlosen- und Asylunterkunft: 9517,39 Euro fehlen, zum Beispiel aus Nebenkosten. Ob sie eingetrieben werden können ist ungewiss. Die Finanzverwaltung versucht, andere Leistungen an die Schuldner zu kürzen, berichtet der stellvertretende Leiter Thorsten Bock. Im Topf der Gewerbesteuern fehlen etwas mehr als 100.000 Euro, 177.600 stehen insgesamt aus. Mit fast 334.000 Euro, 26 Euro pro Kopf, liegen die Berger im unteren Mittelfeld, etwa ein Viertel des Haushaltsdefizits könnte mit den Außenständen beglichen werden.

Der Blick in die Schuldstatistik verrät auch, wo es den Bürgern schwer fällt, ihre Rechnungen zu bezahlen. Knapp 20.000 Euro fehlen in der Samtgemeinde Lachendorf an Kindergartenbeiträgen, Warncke: „Wir schmeißen ein Kind nicht aus dem Kindergarten, nur weil die Eltern nicht mehr zahlen können.“ Überdurchschnittlich hoch sind die Schulden der Bürger auch dort, wo kürzlich Baugebiete erschlossen wurden. So erklären sich die vergleichsweise hohen Schulden zum Beispiel in Wienhausen, gibt Flotwedels Kämmerer Ralf Thölke zu bedenken. Auch Lachendorfs Kasse belasten noch dauerhafte Stundungen aus Straßenerschließungen: Landwirten wurde der Zahlungsaufschub gewährt, weil ihre Beiträge existenzgefährdend hoch waren.

Von Isabell Prophet