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Bergen Stadt Happy End für Känguru Viggo und Familie aus Bergen? (mit Video und Bildergalerie)
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Happy End für Känguru Viggo und Familie aus Bergen? (mit Video und Bildergalerie)
09:29 16.03.2018
Von Christopher Menge
Freunde fürs Leben: Robin und Viggo. Quelle: Christian Link
Bergen Stadt

In dem kleinen Ort zwischen Schmarbeck und Gerdehaus in der Gemeinde Faßberg stehen gerade einmal zehn Häuser, ungefähr genauso viele Menschen leben dort. "Wir haben das als Ferienhaus genutzt", berichtet eine Cellerin, die das über 2000 Quadratmeter große Grundstück an Viggos Familie vermieten oder verkaufen möchte. "Das Grundstück ist so riesig." Es wäre also auch genügend Platz für ein zweites Känguru – der Landkreis fordert eine Vergesellschaftung von Viggo.

Keinen Meter ist Robin am Mittwoch seinem Känguru Viggo von der Seite gerückt. Immer wieder drückten sich die beiden am Nachmittag im Garten. "Ich habe Viggo ganz doll lieb und will nicht, dass er weggeht", sagte der Siebenjährige. Der Landkreis Celle hatte der Berger Familie, die seit drei Jahren ein Bennett-Wallaby bei sich hält, gedroht, das Tier am Mittwoch abzuholen. Schließlich ist das Reihenhaus samt Garten an der Exiner Straße in Bergen nach den Vorschriften 50 Quadratmeter zu klein. Doch möglicherweise sorgt eine CZ-Leserin für ein Happy End in der Geschichte. Sie meldete sich bei der Celleschen Zeitung und bot der Familie ein Haus in Schmarbeck-Grube an. Nächste Woche soll der Mietvertrag unterschrieben werden.

"Wir haben am Dienstag noch eine Nachricht der Familie erhalten, diese prüfen wir gerade", sagte Landkreis-Sprecher Tore Harmening am Mittwoch. "Wir müssen jetzt die Lage bewerten und natürlich auch sicherstellen, dass eine ordnungsgemäße Unterbringung des Tieres bei einer möglichen Inobhutnahme gesichert sein muss." Weitere Anfragen könnten erst beantwortet werden, wenn die Prüfung abgeschlossen und gegebenenfalls notwendige Maßnahmen durchgeführt worden seien.

So groß der Zuspruch für die Berger Familie Müller/Arndt deutschlandweit auch ist – im Fernsehen und Radio wurden in den vergangenen Tagen mehrere Beiträge ausgestrahlt, überregionale Tageszeitungen berichteten über den Fall – so gibt es auch Kritik an der Haltung. "Ich finde es gruselig, ein Känguru zu Hause zu halten“, sagte die Leiterin des Nabu-Artenschutzzentrums in Leiferde, Bärbel Rogoschik, der Deutschen Presseagentur. "Stellen Sie sich mal vor, Sie werden ihr Leben lang zu Gorillas gesperrt, ohne Kommunikation mit Artgenossen."

Am Mittwoch machte Viggo allerdings einen sehr zufriedenen Eindruck. Mit Robin tobte er durch den Garten, kuschelte sich an sein Gesicht. "Für die Kinder ist Viggo wie ein Bruder", sagte Hausmann Benjamin Müller, dessen Familie neben dem Grundstück in Schmarbeck-Grube noch eins in Meinersen in Aussicht hat. Dort stünden auf einem alten Bauernhof 3000 Quadratmeter für Viggo und weitere Artgenossen zur Verfügung.

"Die Tendenz geht aber Richtung Faßberg", sagte Müller. Schließlich könnten die Kinder dann auf ihrer Schule bleiben und seine Lebensgefährtin Sandra Arndt hätte einen kurzen Weg zur Arbeit – sie arbeitet in Faßberg.

Arndt, die Viggo nach dem Tod seiner Mutter mit der Flasche aufgezogen hatte, schrieb am Dienstagabend einen ganzen Aufsatz, um einen Sachkundenachweis, der zur Haltung eines Kängurus berechtigt, zu erbringen. Zudem soll ein Sachkundegespräch mit dem Kreisveterinäramt geführt werden. "Da warten wir aber noch auf einen Termin", so Arndt. Insgesamt ist die Familie jetzt guter Dinge – für Robin würde sonst auch eine Welt zusammenbrechen.