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Bergen Stadt Hat Angeklagter Frau vergewaltigt?
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Hat Angeklagter Frau vergewaltigt?
19:57 09.11.2018
Quelle: Christian Link
Bergen

Michael G. gab sich gegenüber Frauen großspurig. Die Strafkammer des Landgerichts Lüneburg, die den grausamen Tod eines 18-jährigen Mädchens aus Hermannsburg juristisch aufarbeitet, beschäftigte sich am dritten Verhandlungstag ausführlich mit der Person des Angeklagten. Lobende Worte fand ein guter Freund. „Michi war ein guter und zuvorkommender Mensch.“ Beiläufig erzählte der 20-Jährige aus Bergen von dem Eingang einer SMS in den späten Abendstunden des 20. März. „Wir haben gerade LSD genommen“, lautete die Botschaft, hinter dem letzten Wort zwinkerte ein Smiley. Wenig später ereignete sich die Bluttat. Warum der Speditionskaufmann die Mitteilung Tage später aus dem Account löschte, daran erinnerte er sich nicht mehr.

Gerichtsprozesse entfalten in der Praxis allzu oft eine ungeahnte Dynamik. Der 21-jährige Michael G. aus Bergen, der sich derzeit wegen vorsätzlichen Vollrauschs vor dem Landgericht verantworten muss, sieht sich einem weiteren schweren Vorwurf ausgesetzt. Das offenbarte sich an Schilderungen einer 23-jährigen Frau. Im Mai 2014 besuchte Michael G. die junge Frau zu Hause. Die beiden tranken Wodka. Die Schülerin warf die hohe Alkoholkonzentration des Getränks aus der Bahn. Über das, was sich die nächsten Stunden in ihrem Zimmer abspielte, erzählte sie erstmals der Celler Mordkommission, die im Frühjahr über G. Informationen sammelte. „Ich war nackt, er berührte und küsste mich.“ In Lüneburg rang die Auszubildende mit sich. Sie wirkte am Ende ihrer Kräfte. Ihre Stimme stockte. „Er drang in mich ein. Mich ekelte das so an. Erst als ich mit Fäusten mehrfach gegen seinen Oberkörper trommelte, hörte er auf.“ Der Vorsitzende hielt kurz Rücksprache mit seinen Beisitzern: „Jetzt geht es hier auch um eine mögliche Vergewaltigung.“ Der Vorgang liegt bei der Staatsanwaltschaft, möglich ist eine Nachtragsanklage, um das Delikt noch in der laufenden Hauptverhandlung mit Urteil zu beenden.

Im Schwurgerichtssaal warteten zudem zwei Ex-Partnerinnen auf. Mit den Worten „Es war alles sehr streitlastig“ leitete eine Braunschweigerin ihre Aussage ein. Drei Jahre ging die Beziehung. Die Frau lernte G. 2011 über das Internet kennen. Lange ging es online hin und her. Im Herbst 2012 das erste Treffen, danach ging alles sehr schnell. Schon an Weihnachten zog die heute 24-Jährige bei der Familie in Bergen ein. Die Groß- und Außenhandelskauffrau erlebte Höhen und Tiefen. Streitereien drehten sich um Kleinigkeiten. Der Lebensgefährte sei großspurig gewesen und zeigte mit der Zeit unerklärliche Verhaltensänderungen. „Michael packte mich einmal am Hals. Ich konnte mich befreien und im Badezimmer einschließen.“ Danach gingen beide getrennte Wege.

Drogen-Gerüchte
am Gymnasium

Auch eine Auszubildende, zwischen Februar 2015 und März 2016 mit dem Beschuldigten verbandelt, setzten die letzten Jahre zu. „Ich wollte nicht mehr mit ihm zusammen sein. Er war beim Geschlechtsverkehr sehr dominant“. Das Paar chattete ausgiebig. Die 21-Jährige aus dem Nordkreis speicherte den Verlauf ab und trug der Strafkammer dessen Inhalt vor. „Mein Verstand ist auf Verrat eingestellt. Mein Name soll aus der Masse herausstechen und ich mache hohe politische Karriere. Ich gehe über Leichen. Ein Mann ist ein Kämpfer.“

Eine Lehrerin aus Hermannsburg berichtete im Gericht, dass der Tatverdächtige das Gymnasium um die Jahreswende 2017/2018 verließ. Die Noten ließen eine Zulassung zum Abitur nicht zu. Für die Pädagogin und ihre Kollegen endeten stressige Jahre mit einem undurchsichtigen Schüler. Einmal ließ G. sich eine Facharbeit von einem Mädchen schreiben, zahlte ihr 40 Euro dafür. Die Schummelei flog auf. Die 46-Jährige bewegte besonders eine Sache: Drogenhandel am Hermannsburger Gymnasium. Die Gerüchteküche, insbesondere in der 12. Jahrgangsstufe, brodelte lange. Schüler meldeten sich, dass G. sich während des Biologieunterrichts einen Joint drehe. Interne Ermittlungen der Schulleitung verliefen im Sande. Auf einer Klassenfahrt in Polen kollabierte ein Jugendlicher ohne erkennbaren Grund. Eine Untersuchung auf eine mögliche Einnahme von Betäubungsmitteln verlief im Krankenhaus ergebnislos. „Die Schüler hatten Angst und erzählten deswegen nichts“, ist sich die Lehrerin sicher. Wegen fehlender Beweismittel sah die Polizei keine Chance auf erfolgversprechende Strafverfolgung.

Am Montag geht der Prozess weiter, dann soll eine Psychologin aussagen, die die Getötete behandelt hatte. Die Verteidigerin kündigte außerdem weitere Beweisanträge an.

Von Benjamin Reimers

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