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Bergen Stadt Interreligiöser Dialog in Bergen: Gerechtigkeit ein schwer zu fassender Begriff
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Interreligiöser Dialog in Bergen: Gerechtigkeit ein schwer zu fassender Begriff
23:24 03.08.2018
Diskutierten über Gerechtigkeit: (von links) Erhard Ebmeyer, Aya Damlakhi, Frank Juchert, Perihan Sacik und Virendra Singh. Quelle: Christina Matthies
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Im Gemeindehaus der St. Lamberti-Kirche erzählten Muslima Aya Damlakhi, Ezidin Perihan Sacik, Hindu Virendra Singh und Christ Eberhard Ebmeyer deshalb von ihrem Glauben und davon, was dieser für eine gerechtere Welt zu tun vermag. Rund 20 Berger waren gekommen, um mit den vier Vertretern unterschiedlicher Religionsgemeinschaften über das Thema „Recht und Unrecht“ zu diskutieren. Der Gesprächsbogen spannte sich von Geboten wie „Du sollst nicht töten“ bis hin zu Fragen nach der Chancengleichheit im Berufsleben. Schnell wurde dabei klar: Gerechtigkeit, das ist für alle Religionen ein schwer zu fassender Begriff.

„Gerechtigkeit, das bedeutet Chancengleichheit“, sagte Bergens Ortsbürgermeister Virendra Singh. „Für mich als Hindu ist Gerechtigkeit aber das, was man selbst erarbeitet hat. Deswegen glaube ich nicht an Gerechtigkeit. Ich glaube an Karma und Wiedergeburt – man erntet in diesem Leben, was man im letzten Leben gesät hat.“ Für Eberhard Ebmeyer dagegen gibt es verschiedene Ebenen von Gerechtigkeit. „Die Gerechtigkeit nach dem Gesetz, beispielsweise, und dann natürlich die höhere Gerechtigkeit.“ Er glaube an einen gerechten Gott, so Ebmeyer weiter, einen barmherzigen Gott, der Fehler zulasse. Für Muslima Aya Damlakhi ist es wichtig, gerecht zu leben. „Das bedeutet zum Beispiel, nicht zu stehlen oder nicht schlecht über andere Leute zu reden. Wenn es einem gerade nicht so gut geht, muss man Geduld haben – wir glauben daran, dass man nach dem Tod ins Paradies kommt, wenn man ein gerechtes Leben geführt hat.“

Stadtrat Frank Juchert, der den Diskussionabend moderierte, brachte es schließlich auf den Punkt: Der kleinste gemeinsame Nenner sei wohl das ethische Verhalten, das allen Glaubensrichtungen zugrunde liege. „Das ich anständig mit anderen Menschen umgehe, ist nicht nur gerecht, sondern hat auch etwas mit meinem Gewissen zu tun. Und ein Gewissen zu haben, ist etwas zutiefst Menschliches.“ (mat)

Von Christina Matthies