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Bergen Stadt Känguru statt Katze: Berger Familie hat ungewöhnliches Haustier
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Känguru statt Katze: Berger Familie hat ungewöhnliches Haustier
22:37 03.08.2018
Von Christoph Zimmer
Für Benjamin Müller und Sohn Robin ist Känguru Viggo ein fester Bestandteil der Familie.  Quelle: Christoph Zimmer
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Viggo ist im Sommer 2015 in einem Tierpark bei Karlsruhe geboren. Als die Mutter kurz nach der Geburt stirbt, nehmen Benjamin Müller und seine Partnerin Sandra Arndt, die damals in dem Park als Pflegerin arbeitete, das drei Monate alte Rotnackenwallaby der tasmanischen Unterart bei sich auf. "Weil er es so schwer hatte und von Anfang an kämpfen musste, haben wir ihn Viggo getauft", sagt Arndt. Aus dem altnordischen hergeleitet bedeutet der Wortstamm vig Krieg.

Hausmann Müller zieht Viggo mit der Hand auf, trägt ihn im Beutel vor der Brust bei sich. "Bis er ein Jahr alt war, habe ich Viggo alle vier Stunden eine besondere Katzenmilch aus der Flasche gegeben", erinnert sich Müller. Er hatte sich zuvor extra bei einer auf die Handaufzucht von Kängurus spezialisierten Tierstation in Alice Springs in Australien informiert, worauf er alles achten muss. Heute frisst Viggo unter anderem spezielles Müsli, Heu, Äste, Blätter. "Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, entsteht eine sehr enge Bindung", sagt Müller. "Viggo ist für uns zu einem festen Bestandteil der Familie geworden."

Als das Rotnackenwallaby größer wird, wird der Hof der Familie bei Karlsruhe zu klein. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause wird die Familie in Bergen fündig. Im Februar ziehen Müller und Arndt mit den gemeinsamen Kindern Robin (6) und Angela (11) in das Reihenhaus. "Da gab es schon neugierige Blicke. Aber wir haben gelernt, damit umzugehen", sagt Müller. Früher war die Familie oft mit Viggo einkaufen oder im Urlaub. Heute spielen die Kinder am liebsten mit dem etwa 150 Zentimeter großen und 40 Kilogramm schweren Viggo im Garten, wo er in einem Gartenhaus schläft. "Fangen spielen macht mit ihm ganz viel Spaß" , sagt Robin. Angela schaut nach der Schule immer zuerst, wo Viggo ist. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, ohne ihn zu leben", sagt sie.

Als das Känguru am Dienstag aus unbekanntem Grund ausbüxte, haben sie sich große Sorgen gemacht. "Wir hatten Angst, dass ihm etwas passiert ist", sagen Robin und Angela. Als ihre Eltern mit der Polizei wieder vor dem Haus standen, gemeinsam mit den Beamten hatten sie das Tier eingefangen, galt die erste Frage dem vermissten Familienmitglied. "Als wir Viggo gesehen haben, waren wir sehr erleichtert und haben ihn erstmal in die Arme genommen", sagt Robin. Die Stelle am Kompost, über die er womöglich ausbüxte, hat Müller sofort dicht gemacht. "So viele Stunden der Ungewissheit wollen wir nicht noch einmal haben."

Wie der Landkreis Celle mitteilte, ist Viggo regulär gemeldet. "Das Tier wurde von den Haltern liebevoll aufgezogen und es besteht daher eine unnatürlich intensive soziale Prägung auf Menschen", teilt der Landkreis mit. Nach dem amtstierärztlichen Gutachten ist die dem Tier zur Verfügung stehende Auslauffläche (Haus mit Zugang zu 150 Quadratmeter Garten) allerdings derzeit zu klein und unzureichend strukturiert.

Die Familie wurde aufgefordert, die Haltungsbedingungen zu ändern. Sie will dies schnell tun. "Wir wollen Viggo bei uns behalten und ihn nicht an einen Zoo abgeben", sagt Müller.