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Bergen Stadt Kommandeur des Schützencorps Bergen geht Vorurteilen auf den Grund
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Kommandeur des Schützencorps Bergen geht Vorurteilen auf den Grund
21:52 03.08.2018
Von Christopher Menge
Die amtierenden Majestäten samt Frauen sowie Kommandeur Henrik Kohlmann (Mitte) und Bürgermeister Rainer Prokop (rechts daneben) begrüßen die Gäste beim Festessen. Quelle: Alex Sorokin
Bergen Stadt

Das hatte ihm nämlich ein Bekannter gesagt, seine Frau riet ihm daraufhin, die Fakten zu recherchieren. Insgesamt 280 Schützen, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie die Delegierten aus Bergens Partnerstädten lauschten Kohlmanns Worten, bevor sie sich Hochzeitssuppe, Rinderroulade und Putenbrustbraten sowie eine Königsrolle als Dessert schmecken ließen.

"Das Durchschnittsalter von Männern in Deutschland beträgt zwar 42,8 Jahre, aber da man erst ab 21 Jahren Mitglied im Schützencorps werden kann, muss man den Durchschnitt von allen Männer ab 21 Jahren errechnen", erkläre Kohlmann. Dieser lege bei 50,9 Jahren, der bei beim Schützencorps bei 51,6 Jahren. "0,7 Jahre – das ist nur ein Hintergrundrauschen", erklärte der Redner, "wir sind ein Verein durchschnittlich alter Männer."

Die Frage, ob der Schützencorps konservativ sei, war dagegen deutlich schwieriger zu beantworten. Kohlmann untersuchte die lateinische Herkunft des Wortes, schlug im Duden nach und suchte sogar in der Medizin und in der Physik eine Antwort. Doch insgesamt sprachen genauso viele Gründe dafür, dass es sich um einen konservativen Verein handelt, als auch dagegen. Erst ein Zitat, das der Kommandeur im Internet fand, gab schließlich eine Antwort. "Konservativ sein heißt, die Flamme zu bewahren, und nicht, die Asche zu behüten", hat ein Unbekannter dort geschrieben. "Und wenn die Flamme für das Schützenwesen immer brennt, sind wir gerne konservativ", sagte Kohlmann.

Für den ersten Lacher bei der Veranstaltung hatte zuvor bereits Bergens Bürgermeister Rainer Prokop gesorgt, als er den Celler Landtagsabgeordneten Maximilian Schmidt und seine "zukünftige Frau" begrüßte. "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben", ging danach über die Lippen des Bürgermeisters. Die zweite Herausforderung meisterte Prokop dann gewohnt souverän. Für Colin Harsham aus der Partnerstadt Pembroke in Wales hatte er ein Geburtstagsgeschenk dabei, das aber auch Ellen Liedke ihren Ehrentag hatte, erfuhr der Verwaltungschef erst während seiner Rede. Er schenkte ihr kurzerhand seine Ansteckrose. Ein Geschenk gab es auch für die Stadt Bergen: Peter Gommans aus der niederländischen Partnerstadt Hendrik-Ido-Ambacht übergab anlässlich des 15. Jahrestages der Annäherung im Jahr 2002 – die Städtepartnerschaft wurde ein Jahr später besiegelt – eine Skulptur.

In der Damenrede versetzte sich Stefan Sonnenberg in die Frauenwelt der 1980er Jahre. "Damals hätte wohl niemand gedacht, dass Frauen Einzug in die Bundeswehr gefunden haben, dass eine Mutti an der Spitze des Staates steht und in der nächsten Saison eine Schiedsrichterin Spiele in der Fußball-Bundesliga leitet", sagte Sonnenberg, "die Männer tanzen dann nach ihrer Pfeife – also wie im echten Leben."

Anschließend wagte er dann noch einen Ausblick in die Zukunft. "In zehn Jahren marschieren wir vermutlich über die verkehrsberuhigte B 3 hinter einer Bürgermeisterin hinterher", sagte Sonnenberg, "und wenn es nicht so kommt, ist etwas schief gelaufen – und das kann in Bergen ja schon mal passieren."

Auch ernste Töne schlug dagegen der stellvertretende Landrat Henning Otte an. Er blickte zum G20 nach Hamburg, verurteilte das Verhalten einiger Demonstranten und dankte den Polizisten für ihren Einsatz. In Richtung Schützencorps sagte er, dass "Zusammenhalt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit" sei. "Das Schützenwesen hat hier eine hohe Bedeutung", so Otte.