Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Bergen Stadt Kritik an Bodenleitsystem in Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Kritik an Bodenleitsystem in Bergen
18:21 07.08.2018
Werner Gläser zeigt auf die Punkte, die aus seiner Sicht Schwachstellen auf der Markierungsflächen an der Straße Deichend sind. Quelle: Udo Genth
Bergen Stadt

Gerade erst ist der Stadtkern in Bergen umgebaut, da gibt es Kritik vom Blinden- und Sehbehindertenverband. „Ich frage mich ernsthaft, für wen das in Bergen gebaute Bodenleitsystem sein soll. Für blinde Personen kann es nicht sein, denn die werden dort eher gefährdet”, sagt Werner Gläser, Beauftragter für Verkehr und Umwelt bei dem Verband.

Er zeigt bei einer Ortsbesichtigung mit der CZ das Problem. Aus seiner Sicht sind die Rippen- und Noppenplatten „willkürlich und offenbar ohne jede Sachkenntnis verteilt worden”. Das sei genauso als wenn jemand Verkehrsschilder aufstellen würde, ohne deren Bedeutung zu kennen, denn sehbehinderte Menschen absolvierten ein Orientierungs- und Mobilitätstraining, bei dem sie taktile Informationen erkennen lernen.

Dafür gebe es eine DIN-Norm. Ein zentraler Bestandteil ist dabei nach seinen Ausführungen eine drei Zentimeter hohe Kante, die eine Querung markiert. Für Blinde sei sie das „taktile Warnsignal, dass sie den gesicherten Gehweg verlassen und die Fahrbahn betreten. Wer eine ungesicherte Null-Absenkung baue, leite ahnungslose blinde Personen „ohne Vorwarnung auf die Fahrbahn”, so Gläser. Ihn ärgert vor allem, dass er auf dieses Problem bei mehreren Treffen hingewiesen hat, der Mangel aber nicht abgestellt worden ist.

Manfred Baltzer weist die Kritik von Gläser zurück. Die Anregungen seien bei dem Treffen aufgenommen worden. „Letztlich geht es aber um eine Lösung, die sowohl den seh- als auch gehbehinderten Menschen dient”, sagt Baltzer. Eine Kante von drei Zentimetern hätte aus seiner Sicht eine Stolperfalle dargestellt. Auch der für diese Einbauten zuständige Mitarbeiter bei der Straßenmeisterei Fallingbostel habe nach den Änderungen eine Verbesserung für sehbehinderte Personen bescheinigt. Die möglicherweise erhöhten Kosten hätten bei der Entscheidung entgegen anders lautenden Berichten keine Rolle gespielt.

Die Politik hat laut Baltzer in der Sitzung des Sonderausschusses Stadtmitte die Ausführung zur Kenntnis genommen und der Verwaltung aufgetragen, auch weiter mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband zusammen zu arbeiten, wenn es weitere Arbeiten an der Celler Straße gibt. Im Ausschuss wurden außerdem noch einige weitere Gestaltungsideen für den Friedensplatz empfohlen. So werden für den Platz Sonnenschirme angeschafft und der Brunnen wird so gestaltet, wie es der Ortsrat nach einer Umplanung abgesegnet hat. Die Kosten liegen jetzt mit 22.800 Euro deutlich günstiger als die ursprünglich vom Planer veranschlagten 38.000 Euro.

Diskutiert wurde auch über die Aufstellung einer Litfaßsäule. Möglich ist ebenfalls eine digitale Information anhand einer Werbeschriftlaufzeile in einem Schaufenster. Die Entscheidung darüber wurde vertagt.

Tore Harmening

Von Tore Harmening