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Bergen Stadt Kritik und Lob an Supermarkt-Plänen für Berger Innenstadt
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Kritik und Lob an Supermarkt-Plänen für Berger Innenstadt
18:57 29.03.2017
Von Christopher Menge
Lidl würde gerne in die Berger Innenstadt ziehen. Die Stadtplaner schlagen für einen Supermarkt den Standort vor, wo derzeit das Gemeindehaus steht. Quelle: Ulrich Frassl
Bergen Stadt

Interessenten gibt es schon. Die beiden Discounter Lidl und Aldi haben bei der Stadt angefragt, wie Bergens Bürgermeister Rainer Prokop auf CZ-Anfrage bestätigt. "Es ist die Politik der Filialisten, in die Innenstädte zu ziehen", sagt Prokop. "Im Augenblick sind wir aber noch mitten in der Planung – es ist noch gar nichts festgezurrt." Es ist demnach auch noch möglich, dass Bergen Nein zu einem Supermarkt im Ortszentrum sagt, auch wenn der Verwaltungschef keinen Hehl daraus macht, dass das von der Kommune beauftragte Stadtplanungs- und Architekturbüro "plan zwei" von der Idee "fasziniert ist, einen Filialisten in der Innenstadt anzusiedeln".

Aber muss der Supermarkt dort entstehen, wo die St.-Lamberti-Gemeinde dank Spenden einst ihr Gemeindehaus gebaut hat? "Das würde mir schon sehr leid tun", sagt der Berger Helmut Floßdorf, der bei der Renovierung vor einigen Jahren mitgeholfen hat. Grundsätzlich findet er die Idee, einen Supermarkt in der Innenstadt zu bauen, aber nicht schlecht – insbesondere mit Blick auf die älteren Anwohner. Sabine Horrer entgegnet dem, dass in den Randbereichen deutlich mehr Senioren leben würden. "Derzeit sind die Supermärkte ideal angelegt", so die Bergerin, "die Pläne sind doch unterirdisch."

Sowohl Floßdorf als auch Horrer haben schon davon gehört, dass das E-Center schließen und in die Innenstadt ziehen soll. "Hierbei handelt es sich um ein Gerücht. Eine Schließung des E-Centers an der Harburger Straße in Bergen steht für die Edeka Minden-Hannover nicht im Raum", sagt Edeka-Pressereferentin Mareike Polonius. "Entsprechend gibt es keine Schließung oder Verlagerung."

Bergens Ortsbürgermeister Virendra Singh sagt, dass der Ortsrat, der bisher über die Pläne noch nicht offiziell informiert worden sei, einen Lebensmittelladen im Ortszentrum begrüße. "Den Standort sollte man aber genau überlegen", so Singh. "Man sollte die Einwohner befragen, ob sie ein Gemeindehaus oder einen Discounter im Herzen von Bergen haben wollen." Er weiß, dass viele auch eine emotionale Bindung zum Gemeindehaus haben.

Dieses Argument lasse auch der Kirchenvorstand in seine Überlegungen einfließen, sagt Pastor Axel Stahlmann. "Wir diskutieren gerade, ob wir in Verhandlungen einsteigen", so Stahlmann. Zunächst sollen die Vorschläge der Planer aber dem 14-köpfigen Gremium vorgestellt werden. Im Mai könnte dann eine Entscheidung fallen. Die Rahmenbedingungen für einen Umzug müssten gegeben sein – insbesondere aus finanzieller Sicht: Die Gemeinde hat weder Geld für den Umzug noch für einen Neubau. "Ein Gemeindehaus, das auf dem neuesten Stand und näher an der Kirche ist, hätte aber auch Vorteile", sagt Stahlmann, der auch in die Zukunft blickt, "wenn der Investor irgendwann wieder aus der Innenstadt raus will – was passiert dann mit dem Gebäude an prominenter Stelle?"