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Bergen Stadt Landkreis Celle holt Känguru Viggo von Familie weg
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Landkreis Celle holt Känguru Viggo von Familie weg
10:22 24.05.2018
Von Christopher Menge
Känguru Viggo muss Familie Müller aus Bergen verlassen. Unter Aufsicht des Kreisveterinärs wurde das Beuteltier am Mittwoch in die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen gebracht. Quelle: Link/dpa/privat
Bergen Stadt

„Wir sind völlig überrascht worden“, sagte Benjamin Müller. Mit einem Kescher wurde Viggo im Beisein der Polizei eingefangen und in eine Holzkiste gesperrt. Müller griff sofort zum Telefon und rief seinem Anwalt Markus Matuschczyk an, der kritisiert, dass „sehr rabiat“ vorgegangen worden sei.

Der Landkreis Celle erklärt die Aktion: „Die Halterin wurde mehrmalig schriftlich und mündlich darauf hingewiesen, dass die Anforderungen nicht erfüllt sind“, so Pressesprecher Tore Harmening. „Seit Erlass des Bescheides im Oktober 2017 wurde die gesetzte Frist insgesamt drei Mal verlängert, um die Vorgaben noch zu erfüllen. Die Fristen sind ohne Ergebnis verstrichen.“

Die letzte Frist sei am 23. März abgelaufen. „Auch danach hat sich der Landkreis mehrmals mündlich und schriftlich an die Familie beziehungsweise ihren Rechtsvertreter gewandt, um eine einvernehmliche Lösung zu erzielen“, so Harmening. „Da diese Gespräche zu keinem Ergebnis geführt haben, hat sich der Landkreis Celle dazu entschieden, das Känguru – wie angekündigt – vorläufig der Familie zu entziehen.“

Anwalt Matuschczyk kündigte gestern umgehend rechtliche Schritte gegen die Aktion an, die seiner Meinung nach „das Leben des Tieres gefährdet“. „Die Familie ist bemüht, den kleinlichen Auflagen des Landkreises entgegenzukommen“, sagte Matuschczyk. Der Behörde ginge es aber nicht um das Tierwohl, sondern um die Durchsetzung von Prinzipien.

Ein Ermittlungsverfahren wurde auch gegen Viggos Besitzerin Sandra Arndt eingeleitet. Nach Angaben der Polizei wehrte sich die 39-Jährige bei der Abholung mit Einsatz von körperlicher Gewalt, Drohungen und Beleidigungen gegen den Kreisveterinär. Die Polizisten nahmen Arndt daraufhin für zehn Minuten in Gewahrsam im Streifenwagen.

Familie steht unter Schock

Als Robin und Angela gestern Morgen zur Schule gegangen sind, war ihre Welt noch in Ordnung. Doch als sie mittags wieder nach Hause kamen, zerbrach diese. In ihrer Abwesenheit hatten der Leiter des Celler Kreisveterinäramtes Heiko Wessel und Mitarbeiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen ihr Känguru Viggo eingefangen und mitgenommen.

„Sie haben mir das Wichtigste genommen“, schrie der Siebenjährige. Dann nahm er seine Schulsachen und pfefferte sie in den Mülleimer. „Ich gehe nie wieder zur Schule.“ Auch seine Schwester Angela konnte es nicht fassen. „Mir tut mein Herz weh“, sagte die 13-Jährige weinend.

Während Benjamin Müller und Sandra Arndt versuchten, die Kinder zu trösten, wurde Viggo in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen untergebracht. Schließlich hat die Familie nach Auffassung des Landkreises die Auflagen nicht erfüllt, „um eine artgerechte Haltung zu garantieren“.

Damit zerplatze die Hoffnung, die die Familie, bei der das Rotnackenwallaby seit drei Jahren lebt, zuletzt noch hatte. Dabei hatte die Halterin Arndt erst vor einigen Wochen einen vom Landkreis geforderten Sachkundenachweis erbracht. „Ausschließlich diese Forderung wurde seitens
der Halterin erfüllt“, sagte Harmening.

Zweites Känguru ist Pflicht

„Dem Tier muss ein größeres Gehege von mindestens 200 Quadratmetern zur Verfügung gestellt werden“, sagte Pressesprecher Tore Harmening. Bisher wurde das Känguru im Garten der Familie gehalten, der laut den Tierschutzbestimmungen für diese Tierart 50 Quadratmeter zu klein ist.

Ferner müsse eine Vergesellschaftung des Tieres mit mindestens einem weiteren Artgenossen vorgenommen werden. „Die Vergesellschaftung ist von einem Tierarzt oder einer Person zu betreuen, die aufgrund einer einschlägigen abgeschlossenen Berufsausbildung über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt“, sagt Harmening. Beispielsweise Zootierpfleger oder Zoologen kämen hier in Betracht.

Anwalt will rechtliche Schritte einleiten

Für Anwalt Markus Matuschczyk ist die letzte Forderung aber inakzeptabel. „Kängurus sind keine Herdentiere – das ist nicht artgerecht“, so der Anwalt. Dennoch seien Viggos Besitzer mit Züchtern in Kontakt, um ein zweites Känguru anzuschaffen. „Aber so einfach, wie sich der Landkreis das vorstellt, ist das nicht“, sagt Matuschczyk, der von der Aktion am Mittwoch auch völlig überrascht wurde. „Ich dachte eigentlich, dass ich mit dem Kreisveterinäramt per E-Mail einiges geklärt hätte – es ist doch alles in Vorbereitung.“

Der Anwalt macht sich große Sorgen. Schließlich bestehe die Gefahr, dass Viggo in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen das Futter ablehne. „Wenn dem Tier etwas passiert, wird Kreisveterinär Dr. Heiko Wessel persönlich in Haftung genommen“, sagte Matuschczyk, der auch gegen den Vollstreckungsbescheid rechtliche Schritte einleiten will. „Unzweifelhaft ging es dem Tier bisher gut“, sagte der Anwalt.

Als Känguru Viggo im Juli ausbüxte, hatte für die Familie der Ärger angefangen. Zwar konnte das exotische Haustier mit Hilfe der Polizei schnell wieder eingefangen werden, allerdings geriet es durch seinen Ausflug ins Visier des Veterinäramtes des Landkreises.

Viggo lebt seit mehr als drei Jahren bei der Familie. Seine Mutter war in einem Zoo bei Karlsruhe gestorben, als er erst ein paar Monate alt war. Die Familie nahm ihn danach zu sich und zog ihn mit der Hand auf. So wurde ein Rucksack zum Ersatz für den Beutel, in dem Kängurumütter ihren Nachwuchs tragen.

Etwas Hoffnung gibt es noch

Noch kann die Berger Familie aber hoffen: „Sollte die Familie in den nächsten Wochen die Anforderungen, insbesondere was das Gehege und die artgerechte Vergesellschaftung betrifft, erfüllen, besteht die Möglichkeit der Rückgabe“, sagt Harmening.

Die Familie hatte schon vor einigen Wochen angekündigt, für Viggo auch einen Umzug in Kauf zu nehmen. Eine Frau hatte ihnen daraufhin über die CZ ein Haus im Schmarbecker Ortsteil Grube angeboten. Allein der Garten dort ist 2000 Quadratmeter groß. „Wir haben nächste Woche einen Termin, bei dem der Mietvertrag abgeschlossen werden soll“, sagte Müller am Mittwoch.

An der Danziger Straße in Bergen saniert und modernisiert die Investmentgesellschaft Cesa in diesem Jahr die Wohnungen, die dann zur Miete angeboten werden sollen. Und auch in Sachen Bauplätzen für Einfamilienhäuser hat sich etwas getan. An der Belsener Straße kann ab August gebaut werden. „Das Interesse ist groß“, sagt Bauamtsleiter Jan Thomas. „Die Innenstadt und die Schule sind von hier zu Fuß zu erreichen.“

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Was soll künftig hier passieren? Chillen im Park oder Rutschen, Laufen, Klettern? Diese Fragen stellt sich der Bauamtsleiter der Stadt Bergen, Jan Thomas. Unter dem Motto „Wir bauen Bergen um“ veranstaltet die Stadtverwaltung am Samstag, 5. Mai, eine Ideen-Werkstatt im Zelt auf der neu entstandenen Abrissfläche an der Danziger Straße. Hier hatten bis vor kurzem die sogenannten Berger Twin Towers gestanden. Am „Tag der Städtebauförderung“ werden Bürger, Vertreter aus Verwaltung und Politik sowie die Fachöffentlichkeit über aktuelle Strategien und Vorhaben der Städtebauförderung informiert. „Vor allem aber soll der Tag der Städtebauförderung zum Mitmachen bei Projekten anregen“, sagt Thomas. Der Abriss schaffe Freiraum zum Denken. Er fordert die Öffentlichkeit auf, eigene Ideen für die Neugestaltung einer Grünfläche an der Danziger Straße bei der Ideen-Werkstatt einzubringen.

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Tanja Mügel ist zufrieden mit dem verkaufsoffenen Sonntag in Bergen. Auf dem Friedensplatz steht sie als Verkäuferin für den Sylter Teehandel hinter ihrem Stand und bringt Gewürze, Kräuter und Tees an den Mann oder die Frau. "Viele Kunden schauen erstmal. Auf dem Rückweg kaufen sie dann meistens auch etwas", freut sie sich. An ihrem Stand gibt es aber nicht nur Kräuter und Co., sondern auch Wurst des "Mettwurstkönigs" zu kaufen.

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