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Bergen Stadt Letzte HNO-Praxis im Celler Nordkreis steht auf der Kippe
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Letzte HNO-Praxis im Celler Nordkreis steht auf der Kippe
19:30 04.08.2018
Von Carsten Richter
Noch bietet HNO-Arzt Dr. Jan Ahmadi in seiner Praxis in der Bahnhofstraße Sprechstunden an. Ob auch in der Zukunft, hängt von einer juristischen Entscheidung Ende des Monats ab. Quelle: Udo Genth
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Hintergrund ist ein Rechtsstreit zwischen Ahmadi und seinen Celler HNO-Kollegen. Ahmadis Hauptpraxis ist an der Hafenstraße in Celle. Da er aber in Bergen eine medizinische Unterversorgung in dem Bereich sieht, hat er vor einigen Jahren die Zweigpraxis an der Berger Bahnhofstraße eingerichtet. Die Krux an der Sache: Rein rechnerisch ist der Landkreis Celle mit HNO-Ärzten überversorgt, der überwiegende Teil der Praxen ist aber in Celle. Nach einem erfolgreichen Widerspruch der Celler Ärzte gegen die Sonderlizenz hat Ahmadi wieder geklagt – und bekam am Sozialgericht in Hannover Recht. Somit hat der Arzt erneut eine Lizenz beantragt, die Celler Kollegen haben wiederum Widerspruch eingelegt. Derzeit wird erneut verhandelt, mit einem Beschluss in dem Verfahren wird für den 26. Oktober gerechnet.

„Die derzeitige Situation sorgt für sehr viel Unruhe in Bergen“, sagt Ortsbürgermeister Virendra Singh. „Es gibt momentan kein anderes Thema, das die Bevölkerung so beschäftigt wie dieser Kleinkrieg“, berichtet Singh. Er befürchtet einen noch jahrelangen Streit zwischen den Medizinern, bis Ahmadi irgendwann genervt aufgibt – egal, wie das nun erwartete Urteil ausfällt.

Rechtsanwalt Frank Wahner, der die Celler Ärzte vertritt, hält dagegen: „Wir wollen die Praxis in Bergen nicht verhindern, es geht nur um die gesonderte Zulassung“, so der Jurist. Gleichwohl ist er der Auffassung, es sei „nicht Ahmadis einzige Triebfeder, sich um ältere Menschen kümmern zu wollen. Es geht dem Antragsteller darum, dann richtig Geld zu verdienen“. Die 25-Kilometer-Fahrt zum nächsten HNO-Arzt in Celle sei zudem in Kauf zu nehmen, meint Wahner, zumal es im Landkreis Celle „mit 158 Prozent eine erhebliche Überversorgung an HNO-Ärzten“ gebe.

Ahmadis Anwältin Eva-Maria Wehebrink verweist hingegen auf den lokalen Sonderbedarf in Bergen, den die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) zuvor erkannt hat. „Nach der jetzigen Sach- und Rechtslage sind wir zuversichtlich“, sagt Wehebrink. Die letzte Entscheidung liege aber beim Berufungsausschuss, betont sie.

Bernhard Specker, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Hannover, hält die Entfernung von rund 25 Kilometern zum nächsten HNO-Arzt in der Tat für „grenzwertig“, allerdings müsse nachgewiesen werden, dass die Zweigpraxis in Bergen wirklich „unersetzlich“ sei. Bei einem Ausgang des Verfahrens zugunsten Ahmadis stelle sich dann die Frage, ob die Praxis an der Bahnhofstraße wirtschaftlich auf die Dauer zu halten ist.