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Bergen Stadt Marlene-Lesung in Bergen: Hommage an eine große Liebe
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Marlene-Lesung in Bergen: Hommage an eine große Liebe
00:43 04.08.2018
VornameName Quelle: Anke Schlicht
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Anlass für die aufkommenden Erinnerungen ist eine musikalische Lesung von Heinrich Thies im Stadthaus Bergen am Sonntagabend, zu der mehr Gäste gekommen sind als erwartet. Es müssen Stühle hinzugestellt werden, damit alle 200 Besucher Platz finden. Autor Heinrich Thies hat in seinem gerade erschienenen Buch „Fesche Lola, brave Liesel“ das Leben der beiden ungleichen Schwestern und ihre Beziehung zueinander einer Betrachtung unterzogen. Der mittlerweile pensionierte Postbote Karl Richard hört nicht nur mit größtem Interesse zu, wenn Thies die Lebenswege überwiegend frei skizziert. Er singt wie etliche andere Zuschauer sowie der Buchautor selbst vergnüglich mit bei den Klassikern der Dietrich, aber auch der Leander, die Johnny Groffmann zum Besten gibt.

Die Lesung unterhält nicht nur hervorragend und ruft beim Publikum Erinnerungen wach, sie gewährt in erster Linie Einblick in ein ganz besonderes Geschwisterverhältnis. Elisabeth Will sah ärmlich aus, ihre Eleganz war laut Thies die einer Vogelscheuche. Aber das musste so nicht sein, die sehr gebildete Frau hat es wohl nicht anders gewollt. Denn Marlene Dietrich unterstützte ihre Schwester überaus großzügig. Heinrich Thies zeigt einen Pelzmantel, der sich im Nachlass fand. Davon besaß Liesel zahlreiche, oft nahm sie einen über den Arm gelegt mit in den Ort, wenn sie Besorgungen machte. Frau Will trug stets Mantel – auch bei Hitze – berichten alteingesessene Bergener. Sie war ganz anders als ihre weltberühmte, schöne Schwester – und doch auch sehr besonders.

„Tugendmoppel“ nannte Marlene die zwei Jahre ältere Liesel als Kind, böse meinte sie es nicht. Wenn die anderen Kinder lachten über das ungeschickte, dickliche Mädchen, dann stellte sich Leni schützend vor sie. Liesel wiederum war niemals neidisch, sie bewunderte und liebte die kleine Schwester und später die erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin. Thies kann nicht verbergen, dass ihm beide Figuren nahe gekommen sind. Er wirkt bewegt, wenn er liest, wenn er erzählt und wenn er singt, während dieser Revue, die eine Hommage an eine große Liebe ist.

Von Anke Schlicht