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Bergen Stadt Menschen und Gemälde machen Bergen bunt
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Menschen und Gemälde machen Bergen bunt
20:36 04.08.2018
Bergen Stadt

Bunt war es in der Tat, und das nicht nur, weil Alt- und Neu-Bergener unterschiedlicher Herkunft dort in entspannter Atmosphäre zusammenkamen. Für viele Farben und Formen sorgten auch die dort ausgestellten Gemälde und anderen künstlerischen Erzeugnisse, in denen Flüchtlinge, Migranten und Einheimische ihren Gedanken und Gefühlen kreativ Ausdruck verliehen.

Adnan Horo, syrischer Kurde, ist im September 2015 mit seiner Frau Hevi Yusef nach Deutschland geflohen, sein in Aleppo gegründetes Kultur-Café hatte er nach einem Jahr wegen des Krieges aufgeben müssen. In seinen Kunstwerken thematisiert er unter anderem die desolate Situation in seinem Land.

Auch seine Frau malt. Yusefs Bilder beschäftigen sich viel mit dem Leid von Frauen, eines stellt eine Gestalt ohne Persönlichkeit dar. „So werden Frauen vom IS wahrgenommen“, sagt Yusef. Beide haben schon in Syrien die Malerei für sich entdeckt, und kaum in Deutschland angekommen, hielten sie gleich wieder einen Pinsel in der Hand, zuerst im Lager Scheuen, jetzt in Bergen. Bilder von ihnen waren bereits in Celle zu sehen.

Auch Mädchen und Frauen, die am Dienstagstreff im Rahmen des Programms „Jugend im Quartier“ teilnehmen, bekamen die Gelegenheit, sich gestalterisch auszuprobieren und auszudrücken. „Viele Frauen haben zum ersten Mal einen Pinsel in der Hand gehabt“, erklärte Marion Schmidt von der Pestalozzi-Stiftung. So auch die Syrerin Malaka Dawod. Mit 43 Jahren zählt sie zwar nicht mehr zur ursprünglichen Zielgruppe, aber man sei offen für „alle Frauen, die Spaß daran haben“, erläutert Schmidt. „Im Vordergrund stehen die Begegnung und Kommunikation untereinander, die durch das gemeinsame künstlerische Arbeiten erleichtert wird“. Manchmal entstehen auch Freundschaften: So hat sich Malaka Dawod mit Helga Stern angefreundet, die sich in vielfältiger Weise um die Flüchtlinge kümmert.

Während bereits Fertiges besichtigt werden konnte, entstand nebenan schon wieder Neues: ein buntes Bild von Bergen. Jeder Besucher konnte hier spontan zu Farbe und Pinsel greifen und das Gemälde um ein weiteres Element bereichern. Hier hat sich die achtjährige Linda ebenso verewigt wie Malaka Dawod. Linda hat eine Prinzessin gemalt, die Syrerin ein Selbstporträt.

Von Sonja Richter