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Bergen Stadt Nein im Ausschuss: Politik vermisst Konzept für Internationale Begegnungsstätte Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Nein im Ausschuss: Politik vermisst Konzept für Internationale Begegnungsstätte Bergen
18:23 18.10.2017
Von Christopher Menge
Bergen Stadt

Endgültig entscheidet jetzt der Stadtrat am Donnerstag, 26. Oktober – das Aus für die Begegnungsstätte aber scheint sicher, denn auch die anderen Fraktionen sind von den Plänen der Verwaltung nicht überzeugt. Die einhellige Meinung: "Es fehlt ein Konzept". Dieser Meinung war auch Dettmar-Müller, die dennoch gegen den Antrag ihrer Fraktion stimmte. "Wir sollten den Förderantrag stellen", sagte sie. Ihre Idee: Ein Sachverständiger erarbeitet bis zum Frühjahr gemeinsam mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein Konzept. "Wenn wir dann keinen Träger finden, können wir das Projekt immer noch beenden", so Dettmar-Müller, die die Kosten für diesen Vorschlag auf 15.000 bis 20.000 Euro bezifferte. "Die IBB ist zu wichtig, um das Projekt einfach zu beenden", sagte die CDU-Ratsfrau – mehrere Zuhörer applaudierten.

Dettmar-Müller wurde noch deutlicher: "Wir müssen uns die Zeit nehmen. Ganz Deutschland guckt auf uns – wir machen uns lächerlich." Ihr Parteikollege Peter Meinecke betonte, dass er ein "absoluter Verfechter der IBB" sei, die eine große Chance für Bergen und das Umfeld biete. Er beugte sich aber schließlich dem Fraktionszwang. Der ASU-Vorsitzende Christian Böker (CDU) fragte, wie man von einer großen Chance sprechen könne, wenn es kein Konzept gebe? "Außerdem werden wir für fünf Millionen Euro nicht das bekommen, was wir brauchen", so Böker. Dass die Kosten nicht eingehalten werden könnten, meinte auch Michael Telkemeyer (AfD). Vorgesehen waren 5,4 Millionen Euro für den Bau der IBB – 3,6 Millionen Euro Förderung vom Bund sowie ein Eigenanteil von 1,8 Millionen Euro.

"Ohne ein schlüssiges und erfolgversprechendes Konzept für den Seminarbetrieb der IBB würde die bauliche Planung zum Zufallsspiel", sagte Jürgen Patzelt (Grüne). "Seminar-Konzept und zeitgemäße Erwartungshaltung potenzieller Teilnehmer und Gäste bestimmen das Gebäude einer zukünftigen IBB." Marcel Engwer (SPD) versuchte der Verwaltung eine Brücke zu bauen und forderte sie auf, bis zur Sitzung des Verwaltungsausschusses am Dienstag, 24. Oktober, die Fragen zum Verhandlungsstand mit dem Kooperationspartner, der Stiftung für niedersächsische Gedenkstätten, und mit interessierten Betreibern genauso zu beantworten wie zur Wirtschaftlichkeit und zu den personellen Ressourcen in der Verwaltung.

"Dieser SPD-Antrag überrascht mich", sagte Virendra Singh (CDU). "Die Stadtentwicklungskommission hat seit Mai viel Zeit investiert, um die Risiken für den Berger Steuerzahler herauszukriegen. Alle Fragen an die Verwaltung zum pädagogischen Konzept, Betreiber und Kosten blieben unbeantwortet." Die eigene Recherche habe dann ergeben, dass die IBB nur ein billiges "Bed&Breakfast"-Hotel wäre, das die privaten Betriebe gefährde.

Die Kritik an der Verwaltung wies Bergens Bürgermeister Rainer Prokop entschieden zurück. "Wir haben seit vielen Jahren an dem Projekt gearbeitet, Workshops veranstaltet, die Öffentlichkeit beteiligt und Experten befragt", sagte der Verwaltungschef. "Alles wurde uns von der Politik wieder vor die Füße geworfen." Der Satz aus dem CDU-Antrag, dass man eine IBB nicht nebenbei bauen könnte, sei bezeichnend. "Genau das ist der Fehler", sagte Prokop. "Die IBB ist ein Hauptpunkt für die Stadtentwicklung." Er sprach von einer "tragischen Entscheidung", die auch "geschichtspolitisch gefährlich" sei. "Eine Riesen-Chance für Bergen ist vertan", so Prokop, der auf CZ-Nachfrage sagte, dass es Interessenten gebe, die die IBB betreiben wollten.