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Bergen Stadt Neubürgerin kritisiert Kinderbetreuung in Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Neubürgerin kritisiert Kinderbetreuung in Bergen
21:50 03.08.2018
Von Christopher Menge
Kirsten Rathjens am 29.06.2017 im Vorgarten ihres Hauses in Bergen. Quelle: Oliver Knoblich
Bergen Stadt

Da die 40-Jährige weder einen Krippenplatz noch eine Tagesmutter fand, blieb ihr nichts anderes übrig, als zu Hause zu bleiben, um ihre Kinder zu betreuen. "Ich habe mich beworben, aber die meisten Arbeitgeber sind zeitlich kein Stück flexibel", sagt Rathjens. "In Hannover hätte ich abends als Sachbearbeiterin für eine Bank arbeiten können, aber auch für die zweistündige Überbrückungszeit am Nachmittag, bis mein Partner nach Hause kommt, habe ich keine Tagesmutter gefunden." Mit ihrem Problem sei sie nicht alleine, wie Rathjens betont: "Die Familien in der Nachbarschaft sind auch unzufrieden mit der Kinderbetreuung."

Der Zuzug von Familien mache sich bemerkbar, sagt die Leiterin des Fachdienstes Interner Service der Stadt Bergen, Karen Schledermann. Es gebe daher Pläne, im kommenden Jahr eine weitere Einrichtung mit einer Kita- und Krippengruppe zu bauen. Die Berger Politik wird sich mit dem Thema nach dem Sommer auseinandersetzen. Derzeit stehen in Bergen je 45 Halbtags- und Ganztagsplätze sowie 31 Plätze in der Tagespflege für unter Dreijährige zur Verfügung. "Diejenigen, die sich jetzt zum Sommer angemeldet haben, haben wir fast alle untergebracht", sagt Schledermann, "problematisch wird es bei den Kindern, die im Laufe des Jahres ein Jahr alt werden. Die können wir nicht bedienen".

Auch Colin Tristan hat ab August einen Platz in der Krippe Neuer Weg zugesagt bekommen. Bei der Jobsuche ist seine Mutter aber weiterhin eingeschränkt, denn die Betreuungszeit endet um 13 Uhr. "Die Betreuungsangebote gehen teilweise am Bedarf der Eltern vorbei", gibt Schledermann zu. Wenig beliebt bei den Eltern seien zum Beispiel auch die beiden reinen Nachmittagsgruppen.

Auch wenn Rathjens sagt, dass die Versorgung in Dorum besser gewesen sei, bezieht sie ihre Kritik aber nicht nur auf die Stadt Bergen beziehungsweise auf die Arbeitgeber der Region, sondern auf die ganze Gesellschaft. "Allen, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, müsste mehr Beachtung geschenkt werden – sie müssten gestärkt werden", sagt Rathjens. Doch das Gegenteil sei der Fall. "Wenn meinem Lebensgefährten etwas passiert, ist vorprogrammiert, dass ich auf Sozialhilfe angewiesen sein werde – weil ich Kinder bekommen habe", sagt Rathjens resignierend. Ganz Deutschland müsse aufwachen und etwas für die nächste Generation tun. "Ohne Kinder geht es nicht."

Oder wie es im Kindertagesstättenbedarfsplan des Landkreises Celle heißt: "Eine bedarfsgerechte und verlässliche Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern im Elementarbereich gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben im Landkreis Celle." Schließlich soll keine Familie den Umzug in den Celler Landkreis bereuen.