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Bergen Stadt Ohnsorg-Theater begeistert bei Gastspiel in Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Ohnsorg-Theater begeistert bei Gastspiel in Bergen
18:05 12.03.2017
Bergen Stadt

Der Verleger Peer Brockmann (Till Huster) und seine Freunde teilen ein extravagantes Hobby: Allwöchentlich veranstalten sie ein „Dinner für Spinner“, zu dem jeder der Gäste abwechselnd einen sorgfältig ausgewählten Gast mitbringt: einen absoluten „Dummbüddel“ (Volltrottel), der dann zum Amüsement der anderen Gäste zum „Spinner des Abends“ gekürt wird. Mit dem Finanzbuchhalter Frido Piepenbrink (Erkki Hopf) glaubt Peer, einen ganz besonderen Glücksgriff getan zu haben („Een över de Maten sünnerlich Exemplar“), denn Frido ist passionierter Zündholz-Modellbauer, der Fotos seiner Modelle wie eine Musterkollektion in einer Mappe mit sich führt und sich nahezu in einen Rausch redet, wenn er sich etwa über die Tragfähigkeit „seiner“ filigran nachgebauten Golden Gate Bridge den Kopf zerbricht.

Aber der Abend fällt ins Wasser, Peer hat sich einen Hexenschuss eingefangen. Als Frido dann dennoch wie verabredet zu Peer nach Hause kommt, nimmt das Schicksal seinen Lauf: Innerhalb kürzester Zeit zerstört Frido Peers Ehe und lädt im weiteren Verlauf durch verräterische Telefongespräche ungewollt ungebetene Gäste ins Haus, darunter neben Peers Geliebter Marlene (Sandra Keck) auch den kollegialen Steuerprüfer Schimmel (Horst Arenthold), den er unbedacht über offensichtlich verschwiegene Vermögenswerte des Hausherrn informiert hat. Peers Nerven werden bis zur Zerreißprobe strapaziert.

Ein tempo- und textreiches Stück mit facettenreichen Charakteren, bei dem „Schenkelklopfer“ und Situationskomik von der ersten bis zur letzten Minute für zahlreiche Lacher und überbordenden Applaus sorgten. Etwa wenn sich der beleibte Steuerprüfer mit rudernden Bewegungen aus dem Sessel schwang oder die beschwipste Marlene sichtlich verwirrt versuchte, beide Stilettos übereinander auf einen Fuß zu ziehen.

Es war einfach köstlich, wie der liebenswert nervende „Dummbüddel“ Frido in guter Absicht („Ik versöök blots, Se to helpen“) andere in Bedrängnis brachte. Erkki Hopf bewies die seltene Gabe, Tragik und Komik wunderbar zu vereinen, kindlich strahlend und tief verletzt, ahnungslos und plötzlich wissend. Ausdruck, Rhythmus und vor allem der Tonfall – bei dieser professionell und mit viel Spielfreude auf die Bühne gebrachten Vorstellung stimmte einfach alles. Und so gab es für die Zuschauer nur eines zu tun: sich köstlich zu amüsieren. Und das taten sie.

Von Rolf-Dieter Diehl