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Bergen Stadt Platt und Blues im Berger Heimatmuseum
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Platt und Blues im Berger Heimatmuseum
16:21 13.10.2017
Das Berger Römstedthaus war beim plattdeutschen Abend so gut besucht, dass einige Gäste stehen mussten. Immer wieder herzlich lachend verfolgten die Besucher die Darbietungen der Bekler Speeldeel. Die neunjährige Rieke Benecke entpuppte sich genauso wie Horst-Henning Siebernik als echter Platt-Profi. Quelle: Oliver Knoblich
Bergen Stadt

Den Anfang machte der Vorsitzende des Heimatvereins Horst-Henning Siebernik. An der Gitarre sang er zur Einstimmung zwei plattdeutsche Lieder und ebnete damit den Weg in einen geselligen Abend. Es folgte der "große Auftritt vor einer riesigen Menschenmasse": So oder so ähnlich muss sich die neunjährige Rieke Benecke aus Eversen wohl gefühlt haben. Die Aufregung war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben, als sie sich zum Vorlesen einer plattdeutschen Geschichte an den Tisch mit der kleinen Leselampe setzte. Doch von der anfänglichen Aufregung war nach den ersten Sätzen nichts mehr zu spüren.

Ganz der Platt-Profi eben. Die Grundschülerin hat nämlich schon einige Titel beim plattdeutschen Lesewettbewerb eingefahren. Erst als Siegerin des Wettbewerbs an ihrer Schule und dann auf Kreis- und Bezirksebene. Platt sprechen findet sie im Gegensatz zu einigen ihrer Freunde richtig cool und da ihre Großeltern auch „platt schnacken“, bekam sie es quasi mit in die Wiege gelegt. Auch Theater durfte an diesem Abend nicht fehlen und natürlich, wie sollte es auch anders sein, das Ganze auf Plattdeutsch. Sechs Darsteller der „Bekler Speeldeel“ aus Becklingen übernahmen diesen Part und das mit Bravur. In vier Sketchen, die sich über den Abend verteilten, zeigten die Laienschauspieler mehrere lustige Szenarien. Vom Ehemann, der zu tief ins Apfelkorn-Glas schaute, bis hin zu einer modernen Form des Aschenputtels als sogenanntes Step-Up-Theater, bei dem die Darsteller wortwörtlich im Stil eines Kasperletheaters hinter dem Vorhang hochschnellten, war fast alles vertreten.

Ein weiterer Musiker war Georg Ruge. Sonst eigentlich mit Band sprang er sehr kurzfristig als Solist für die erkrankte Inge Lorenzen ein. Blues- und Countrymusik auf Deutsch, Englisch und Spanisch sang der Berger mit seiner prägnanten Stimme und sorgte damit für ein ordentliches Kontrastprogramm, das bei den Besuchern allerdings sehr gut ankam. Bekannte Lieder wie „Ghost Riders in the Sky“ von Johnny Cash verleiteten sogar den einen oder anderen zum Mitsingen. Ein weiterer Vorleser war Jürgen Rätz. Er las zwei kleine Ausschnitte aus seinem plattdeutschen Lieblingsbuch. Mancher Witz der Komödie löste helles Lachen aus. Auch bei den kleineren Besuchern. Die ließen sich unbekannte plattdeutsche Wörter nämlich von ihren Großeltern übersetzten.

„Es waren heute alle drei Generationen vertreten“, sagte Siebernik erfreut. Das Ziel der Veranstaltung, das Plattdeutsche einem größeren Publikum wieder näherzubringen, ist dem Verein damit also gelungen. „Wir haben die Pflege der plattdeutschen Sprache auch in unserer Satzung verankert“, erzählte der Vorsitzende weiter. Jeden dritten Donnerstag treffen sich einige Mitglieder zum Plattdeutschen Gesprächskreis, um die immer mehr in Vergessenheit geratene Sprache auch weiterhin aufrecht zu erhalten. "Uns geht es wie fast jedem Verein, das Durchschnittsalter ist recht hoch“. Über neue Interessierte und Nachwuchs würde sich Siebernik daher sehr freuen. Eine Wiederholung des plattdeutschen Abends in Bergen soll es nach diesem Erfolg auf jeden Fall geben.

Von Erik Habermann