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Bergen Stadt „Irgendwann wachte ich auf – überall war Blut“
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt „Irgendwann wachte ich auf – überall war Blut“
19:23 13.02.2019
Das Haus, in dem die getötete Schülerin aufgefunden wurde. Quelle: Christian Link
Bergen

Michael G. wird vorgeworfen, im vergangenen März in Bergen im Vollrausch eine 18-Jährige mit unzähligen Messerstichen getötet zu haben. Am Mittwoch wurde der Prozess fortgesetzt.

Jörg Teske von der Medizinischen Hochschule aus Hannover sprach in seinem Gutachten von einer hohen LSD-Dosis, die sich der Angeklagte verabreicht haben muss: „Er kann in einem sogenannten Horrortrip in der Lage gewesen sein, Handlungen auszuführen.“ Teske machte aber deutlich: „Erinnerungslücken sind untypisch. Typisch ist nach einem LSD-Rausch das konkrete Benennen der Geschehnisse.“ Die Wirkung trete rund 30 Minuten nach Einnahme auf und dauere zwischen sechs bis acht Stunden.

Drogenkarriere beginnt mit Cannabis

Überraschend ließ der Vorsitzende Richter Thomas Wolter den psychiatrischen Sachverständigen, Dr. Rainer Friedrich, zu Wort kommen. Der Arzt berichtete über die Drogenkarriere des Beschuldigten, die im Alter von 18 Jahren mit Cannabis begann. Anschließend stieg er auf Kokain um und probierte ab dem 20. Lebensjahr vermehrt Partydrogen wie LSD und Ecstasy aus.

Auffällig sei gewesen, dass Michael G. bei der Begutachtung viel mehr Details aus der Märznacht preisgab, die er in der Verhandlung verschwieg. So berichtete er davon, irgendwann Leute im Haus gesehen zu haben, die ihn beobachteten. „Das Gesicht im Spiegel verlief wie Schleim. Habe noch nie so eine Angst verspürt, dachte, ich muss sterben. Wir umarmten uns und legten uns ins Bett. Irgendwann wachte ich auf, überall war Blut.“

Zweifel an Mordabsicht

Der Psychiater hält einen psychotischen Schock nach LSD-Konsum für wahrscheinlich und geht von einer „erheblichen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit“ aus. Die über weite Strecken geäußerte Erinnerungslosigkeit sei plausibel, so Friedrich. Die Gefühlsregungen des Angeklagten wirkten bei der Untersuchung glaubhaft. „Einen geplanten Mord zu begehen, sieht anders aus.“

Der Vater der getöteten Schülerin durfte den Beschuldigten weiter verhören. Langsam schien bei dem Angeklagten die Erinnerung wiederzukommen. So habe ihm der Vater nach der Landung in Russland angeraten, die deutschen Behörden zu kontaktieren. „Ich habe es dennoch getan. Meine Familie glaubt bis heute daran, dass ich unschuldig bin.“

Nebenklageanwältin Mareike Biesold, die dem Bruder der Gymnasiastin rechtlich zur Seite steht, forderte, die Handys der Brüder des Tatverdächtigen kriminalistisch auszuwerten. Beide Jugendliche schrieben in der Nacht zum 21. März 2018 zwei Kurzmitteilungen. Warum, ist bis heute unklar.

Michael G. kam im Dezember 1996 in Taschkent auf die Welt. Zusammen mit den Eltern und seinen drei jüngeren Geschwistern zog er vor Jahren nach Israel in die Nähe von Aschdot. Dort lebte die Familie drei Jahre, verließ das Land, um in Kaliningrad einen Neuanfang zu versuchen. 2008 ging es nach Deutschland. G. fand zunächst schwer Anschluss. Irgendwann drehte sich das Blatt. Der einst schüchterne Jugendliche schaffte es bis in den Landesschülerrat von Niedersachsen.

Am Freitag geht die Befragung von Psychiater und Toxikologen in die nächste Runde.

Von Benjamin Reimers

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