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Bergen Stadt Rainer Prokop: Aufbruchstimmung in Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Rainer Prokop: Aufbruchstimmung in Bergen
03:33 07.08.2018
Rainer und Marion Prokop im Garten ihres Hauses in Bergen. Quelle: Tore Harmening
Bergen Stadt

Kindergärten, Facebook, 1000 Möglichkeiten, eine schnelllebige Zeit – das alles gab es in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch nicht. „Ich bin im Neustädter Holz groß geworden. Das war mein Kindergarten”, sagt Rainer Prokop.Stabiler war es damals, nachhaltiger als heute und mit dem Wissen, dass es jedes Jahr ein bisschen aufwärts geht. So erinnert sich der heutige Bürgermeister von Bergen an diese Zeit in Wietzenbruch, wo er als Drittes von insgesamt vier Kindern aufwächst. Er erzählt von Draußentagen bei jedem Wind und Wetter, Jugenderlebnissen am Lauensteinplatz und dem Corso-Kino in der Neustadt, in dem damals die Karl-May-Filme liefen.Rainer Prokop besucht die Volksschule und beginnt mit 19 Jahren als Lehrling beim Landkreis Celle, macht später an der Fachhochschule seinen Diplom-Verwaltungswirt. Nach einigen Stationen landet er bei der Jugendgerichtshilfe des Kreises, kümmert sich dort „um schwere Jungs und leichte Mädchen”, wie er es selber formuliert.Ein Zeit, die ihn prägt: „Ich habe sehr viele unterschiedliche Menschen kennen- und viel über sie gelernt.” Gleichzeitig muss er seine Gutachten vor Gericht verteidigen, was ihm offenbar eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein verschafft. Denn als jemand anderem im Jugendamt des Landkreises die Stelle des Hauptamtsleiters in Bergen angedient wird, der aber zögert, bewirbt er sich, noch nicht mal 30 Jahre alt, kurzerhand selber beim damaligen Berger Stadtdirektor Günther Grabow und wird durch den Rat bestätigt.Über einige Zwischenstationen wird Prokop schließlich 1998 erster hauptamtlicher Bürgermeister gewählt und damit Nachfolger von Karl Gonsior.1982 zieht er nach Bergen und seitdem lebt er dort. „Dies ist jetzt meine Heimat und hier möchte ich zusammen mit meiner Frau alt werden”, sagt er. Er hat ein geräumiges Haus mit großem Garten, in dem jetzt gerade die großen Rhododendron-Sträucher und der Flieder blühen. Er würde gerne häufiger darin werkeln, aber meist muss er die Arbeit seiner Frau Marion überlassen, mit der er in zweiter Ehe verheiratet ist.Denn der Job als Bürgermeister ist zeitraubend und „was noch privat und was schon dienstlich ist, gar nicht so leicht zu trennen”, sagt er. Er hat als Bürgermeister die schnelllebigen Zeiten angenommen. Als eines der ganz wenigen Stadtoberhäupter im Landkreis hat er seinen eigenen Blog auf der Homepage der Stadt Bergen. „Den schreibe ich meistens abends vor dem Schlafengehen”, sagt er. Sein Blackberry liegt selbstverständlich auf dem Tisch und die Stadt Bergen ist bei Facebook aktiv.Der Druck im Job, so bekennt er freimütig, ist hoch. Derzeit aktuell ist die offene Frage der inzwischen 90 Rumänen, die seit Februar in Bergen sind, noch drängender aber ist das Problem des Britenabzuges und die daraus entstehenden Konsequenzen. Dazu ist er als Bürgermeister ständig im Fokus, wird erkannt und angesprochen. „Die meisten Leute haben aber ein ganz gutes Gespür dafür, wann es passt und außerdem mache ich den Job ja gerne, denn ich mag Menschen”, sagt Prokop.Und so viel Druck der Abzug der Briten auch bedeuten mag, Prokop wäre gerne 15 Jahre jünger. „Die nächsten Jahre werden einen enormen Umbruch bringen, aber ich spüre eine Aufbruchstimmung, die viele bisherige Grenzen aufhebt in Bergen. Das ist auch sehr spannend.”Dies wird aber, sollte er wiedergewählt werden, seine letzte Amtszeit, die 2021 endet, denn er ist dann 70 Jahre alt. Danach hat er dann mehr Zeit für seine Hobbys Fotografieren und Gartenarbeit. Und natürlich die Familie.

Von Tore Harmening