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Bergen Stadt Reaktivierung von Bahnstrecken: Neuer Anlauf für Linie nach Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Reaktivierung von Bahnstrecken: Neuer Anlauf für Linie nach Bergen
03:54 07.08.2018
Die Bahnstrecke nach Bergen soll wiederbelebt werden. Quelle: Udo Genth
Bergen Stadt

Dieses Ergebnis ist im Landkreis Celle und besonders in Bergen nicht gut angekommen. Die Stadt hat im Nachgang einen Protestbrief nach Hannover geschickt und auch die Landtagsabgeordneten sehen das Thema noch lange nicht als erledigt an.

Wie Bergens Bürgermeister Rainer Prokop in dem Schreiben darlegt, hält er die Bewertung in vielen Fällen für falsch beziehungsweise falsch gewichtet. So gibt es auf der Strecken Celle-Soltau die Anbindung an ein Mittelzentrum, nämlich Soltau. Auch haben die Prüfer im Punkt regionale Unterstützung nur fünf von zehn möglichen Punkten vergeben. Dabei hatten sowohl der Stadtrat Bergen als auch der Kreistag und die Verwaltungsspitzen das Projekt unterstützt. „Auch aus Soltau ist mir eine breite Unterstützung für eine Reaktivierung signalisiert worden. Für mich ist eine mittlere Bewertung daher nicht verständlich”, schreibt Prokop.

Außerdem bemängelt er, dass Bahnstrecken nur in dicht besiedelten Gebieten reaktiviert werden sollen. Dies sei keine Politik des Ausgleichs zwischen den Regionen, sondern „eine Stärkung der Starken und eine Schwächung der Schwächeren”, sagt Prokop. Er hält zudem die Einschätzung des Tourismuspotenzial für nicht zutreffend, weil die Besucherströme in Richtung der Gedenkstätte Bergen-Belsen sich nicht wiederfinden.

Er weiß sich da einig mit den Landtagsabgeordneten Ernst-Ingolf Angermann (CDU) und auch Maximilian Schmidt (SPD). Schmidt verweist vor allem darauf, dass in anderen Region die Unterstützung gar nicht gegeben ist: „In Lüneburg hat man schon signalisiert, dass man einen eigenen Beitrag zur Reaktivierung nicht leisten will”. Warum sollen diese Strecken dann weiter angeschaut werden. Er fordert außerdem, dass die LNVG zu den Besucherströmen nach Bergen-Belsen noch einmal gesondert Stellung nimmt. Außerdem steht nach wie vor ein Coaching im Raum, damit Kommunen die Kriterien der LNVG erfüllen können.

Sein Landtagskollege Angermann ist allerdings skeptisch und will im Ausschuss für Wirtschaft am Freitag im Landtag mehr Auskünfte. „Für den Britenabzug hätte es eigentlich einen Bonus geben müssen. Außerdem ist das mit so wenigen Strecken kein Programm zur Stärkung des ländlichen Raums, das den Namen verdient”, sagt Angermann. Er hält den kommunalen Anteil von 25 Prozent auch für zu hoch. „Das werden die Kommunen vor Ort nicht stemmen können. Da muss sich das Land deutlich stärker beteiligen.

Es gibt durchaus einige positive Punkte, die die Experten angemerkt haben und die für eine Reaktivierung sprechen. Das Urlaubs- und Freizeitpotenzial der Gegend sei hoch und der Tourismus würde mit einer Reaktivierung gefördert. Zudem schätzen die Gutachter in der Untersuchung die Investitionskosten pro Kilometer am niedrigsten ein. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Schienen bereits liegen und nach wie vor von der OHE genutzt werden. Auch die Zuschuss- und Folgekosten seien niedrig.

Von Tore Harmening