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Bergen Stadt Soltauer Orgelwochen in Bergen eröffnet
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Soltauer Orgelwochen in Bergen eröffnet
14:34 09.08.2018
Bergen Stadt

Die elsässische Orgelbauwerkstatt Mühleisen hat für Bergen 2001 ein Instrument konzipiert und gebaut, über das durchaus im positiven Sinne staunen darf. Es verbindet einen generalisierend deutschen Barockorgelbaustil mit den brillanten Zungenstimmen, wie sie im französischen Orgelbau dieser Zeit typisch waren. Dazu kommt noch eine direkte Spielmechanik, Traktur genannt, die hörbar präzise und mit genauem Druckpunkt anspricht. Keine Frage: Dieses Instrument stellt nicht nur wegen seiner besonderen klanglichen Art, sondern auch wegen seiner Qualität etwas Besonderes dar. Der diese Orgel wie viele andere im niedersächsischen Raum betreuende Orgelrevisor Hans-Christoph Becker-Voss hat im Celler Land in den vielen gut restaurierten oder neu konzipierten Orgeln der Region hörbar positive Spuren hinterlassen.

Die Mühleisen-Orgel in Bergen ist mit 35 Registern, also Pfeifenreihen, so groß, dass man darauf ein breites Spektrum der Orgelliteratur zumindest des Barock und der gemäßigten Moderne spielen kann. Umso bedauerlicher ist es, dass die Berger Gemeinde ihre Orgel als Konzertinstrument offensichtlich kaum zu schätzen weiß. Der Besuch beim Eröffnungskonzert der Orgelwochen des Kirchenkreises Soltau war auf jeden Fall recht dürftig.

Nun muss man allerdings auch sagen, dass das angebotene Orgelkonzert mit dem Soltauer Kantor Matthias Hartmann kein zu Begeisterung motivierenden Erlebnis war. Er bot zwar ein gut überlegtes Programm in einer insgesamt überzeugenden Spielweise, jedoch ist Hartmann kein Virtuose, der über den Dingen steht und auf diese Weise die französisch inspirierte G-Dur-Fantasie von Bach als Virtuosenstück glänzen lassen könnte. Und bei den Stücken des wenig älteren französischen Bach-Zeitgenossen Pierre du Mage beschränkte sich Hartmann auf eine notengetreue Wiedergabe, ohne dabei dem Wesen dieser durchaus eigenwilligen Stücke nachzuspüren oder deren Eigenarten pointiert heraus zu stellen. Dazu kam noch, dass seine Registrierungen sich zu papiergläubig an vermeintliche historische Kenntnisse orientierten statt das Potential der Orgel auszuloten. Das war dann doch ein wenig schade, denn man merkte an vielen Details seines Spiels, dass dieser Organist mehr kann als er an diesem Abend gezeigt hat.

Zum Abschluss der Soltauer Orgelwochen ist übrigens für den 15. August noch ein weiteres Orgelkonzert an dieser so hörenswerten Orgel angekündigt.

Von Reinald Hanke